Nun komm, der Heiden Heiland

Kategorie: Adventslieder

Nun komm, der Heiden Heiland,
der Jungfrauen Kind erkannt,
das sich wunder alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.

Er ging aus der Kammer sein,
dem königlichen Saal so rein,
Gott von Art und Mensch, ein Held;
sein' Weg er zu laufen eilt.

Sein Lauf kam vom Vater her
und kehrt wieder zum Vater,
fuhr hinunter zu der Höll
und wieder zu Gottes Stuhl.

"Dein Krippen glänzt hell und klar,
die Nacht gibt ein neu Licht dar.
Dunkel muss nicht kommen drein,
der Glaub bleibt immer im Schein."

Lob sei Gott dem Vater gtan;
Lob sei Gott seim eingen Sohn,
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
immer und in Ewigkeit.

Autor: Martin Luther

Kurze einleitende Zusammenfassung

"Nun komm, der Heiden Heiland" ist ein echter Urklassiker der Adventszeit und gehört zu den ältesten und bedeutendsten Kirchenliedern im deutschsprachigen Raum. Seine Unverwechselbarkeit liegt in der kraftvollen Mischung aus theologischer Tiefe und schlichter, eindringlicher Melodie. Es ist kein Lied über das süße Christkind, sondern ein hymnischer Ruf nach dem Erlöser, der die Welt verändert. Dieser Text ist die deutsche Urfassung von Martin Luther und transportiert damit ein Stück Reformationsgeschichte direkt in deine Weihnachtsfeier.

Historie & Entstehungsgeschichte

Martin Luther schuf dieses Lied im Jahr 1524, also in der frühen und stürmischen Phase der Reformation. Es handelt sich dabei nicht um eine völlige Neudichtung, sondern um eine kongeniale Übertragung des lateinischen Adventshymnus "Veni redemptor gentium" (Komm, Erlöser der Völker) von Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jahrhundert. Luther bewahrte den kernhaften, dogmatischen Gehalt des alten Textes, machte ihn aber in einer kraftvollen, volksnahen deutschen Sprache für die Gemeinde singbar. Die heute geläufige Melodie stammt ebenfalls aus dem Jahr 1524 und findet sich im Erfurter Enchiridion, einem der ersten evangelischen Gesangbücher. Sie basiert auf dem gregorianischen Choral des Ambrosius-Hymnus, wurde aber rhythmisch geglättet und für den Gemeindegesang angepasst.

Biografischer Kontext

Martin Luther (1483-1546) war nicht nur der berühmte Reformator, sondern auch ein äußerst produktiver und einflussreicher Liederdichter und -komponist. Für ihn war die Musik eine "Gabe Gottes" und ein zentrales Mittel, um die neue Theologie unter das Volk zu bringen. Seine Lieder sollten die Gläubigen aktiv am Gottesdienst beteiligen und ihnen die biblischen Inhalte in ihrer eigenen Sprache ins Herz legen. "Nun komm, der Heiden Heiland" ist ein Paradebeispiel für dieses Programm. Es zeigt Luther als hervorragenden Philologen und Theologen, der es verstand, alte kirchliche Traditionen zu bewahren und sie gleichzeitig für eine neue, evangelische Frömmigkeit fruchtbar zu machen.

Inhaltliche Deutung & Botschaft

Die Kernbotschaft des Liedes ist die Ankunft des lang ersehnten Retters für alle Völker ("der Heiden Heiland"). Es betont die göttliche und menschliche Natur Christi ("Gott von Art und Mensch, ein Held") und spannt einen weiten theologischen Bogen: Von der ewigen Herkunft beim Vater über die wundersame Geburt aus der Jungfrau bis hin zum Erlösungswerk, das sogar den Gang in die Hölle ("fuhr hinunter zu der Höll") und die Rückkehr zur Herrlichkeit beim Vater umfasst. Die letzte Strophe mit dem Bild der hell erleuchteten Krippe ist ein starkes Symbol: Der Glaube selbst wird zum Licht, das alle Dunkelheit der Nacht vertreibt. Es ist ein Lied über die kosmische Bedeutung der Weihnacht, nicht nur über ihre Idylle.

Kulturelle und historische Bedeutung

Das Lied hat einen festen Platz im evangelischen Gesangbuch (EG 4) und wird traditionell am ersten Advent gesungen. Es markiert den Beginn des Kirchenjahres und der Adventszeit. Seine historische Bedeutung als Brücke zwischen antiker Kirchen-tradition und reformatorischer Erneuerung ist immens. International gibt es zahlreiche Übersetzungen, etwa ins Englische ("Savior of the Nations, Come"). Bedeutende Komponisten wie Johann Sebastian Bach haben den Choral in ihren Werken verarbeitet (etwa in der Kantate BWV 62 "Nun komm, der Heiden Heiland"). Damit ist es nicht nur ein Gemeindelied, sondern auch ein fester Bestandteil der europäischen Kunstmusik.

Welche Stimmung erzeugt das Lied?

"Nun komm, der Heiden Heiland" erzeugt eine feierliche, erwartungsvolle und zugleich kraftvolle Stimmung. Es ist kein besinnliches Wiegenlied, sondern ein hymnischer Aufruf. Die schreitende, fast drängende Melodie und die klaren theologischen Aussagen vermitteln ein Gefühl von Dringlichkeit und gewichtiger Freude. Es ist die Stimmung des Wartens auf etwas Großes, das bereits im Anbruch ist, und des Glaubens, der sich in dunkler Zeit auf das göttliche Licht verlässt.

Für welche Anlässe eignet sich das Lied?

Es eignet sich perfekt für den offiziellen Beginn der Adventszeit, insbesondere für Gottesdienste am ersten Advent. Sein feierlicher Charakter macht es zu einer ausgezeichneten Eröffnung für Adventssingkreise oder Weihnachtskonzerte. Auch in der häuslichen Adventsfeier kann es, gut erklärt, einen besonderen und tiefsinnigen Akzent setzen. Es ist ideal für den Moment, in dem man sich bewusst auf die theologische Dimension von Weihnachten besinnen möchte.

Für wen eignet sich das Lied?

  • Erwachsene und Jugendliche, die an der theologischen Tiefe von Weihnachtsliedern interessiert sind.
  • Gemeinden und Chöre, die Wert auf traditionelles, geschichtsträchtiges Liedgut legen.
  • Menschen, die den Advent als Zeit der ernsthaften Erwartung und Vorbereitung schätzen.
  • Musikalisch Interessierte, die die Verbindung zu Bach und anderen Komponisten schätzen.

Für wen eignet sich das Lied weniger?

Für sehr junge Kinder ist der Text aufgrund der altertümlichen Sprache und der komplexen theologischen Bilder schwer zugänglich. Wer ausschließlich nach unbeschwert-leichten, modernen oder rein gefühlvollen Weihnachtsliedern sucht, könnte von der ernsten und dogmatischen Sprache des Liedes eher abgeschreckt sein. Es ist weniger geeignet für eine rein stimmungsvolle, unreflektierte Weihnachtsfeier.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Lied genau dann, wenn du den Advent mit Tiefgang beginnen willst. Der perfekte Moment ist der erste Adventssonntag, wenn die erste Kerze angezündet wird. In diesem Augenblick des beginnenden Wartens entfaltet "Nun komm, der Heiden Heiland" seine ganze Kraft. Es erinnert dich und alle, die mitsingen, daran, dass Weihnachten mehr ist als Gemütlichkeit: Es ist das Kommen des Erlösers in die Welt. Singe es bewusst als einen kraftvollen Ruf und spüre dabei die Jahrhunderte an Glaubenstradition, die in diesen Strophen mitschwingen.

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