Der Weihnachtsbaum
Kategorie: Adventslieder
Von allen den Bäumen jung und alt,
Autor: Hoffmann von Fallersleben
Von allen den Bäumen groß und klein,
Von allen in unserm ganzen Wald,
Was mag doch der allerschönste sein?
Der schönste von allen weit und breit
Das ist doch allein, wer zweifelt dran?
Der Baum, der da grünet allezeit,
Den heute mir bringt der Weihnachtsmann.
Wenn Alles schon schläft in stiller Nacht,
Dann holet er ihn bei Sternenschein
Und schlüpfet, eh' einer sich's gedacht,
Gar heimlich damit ins Haus hinein.
Dann schmückt er mit Lichtern jeden Zweig,
Hängt Kuchen und Nüss' und Äpfel dran:
So macht er uns alle freudenreich,
Der liebe, der gute Weihnachtsmann.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Biografischer Kontext
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
"Der Weihnachtsbaum" von Hoffmann von Fallersleben ist ein echter, aber oft unterschätzter Klassiker unter den deutschen Weihnachtsliedern. Was dieses Gedicht so unverwechselbar macht, ist seine klare Fokussierung auf den Weihnachtsbaum selbst als zentrales Symbol des Festes. Während viele andere Lieder von der Christgeburt oder allgemeiner Festfreude handeln, erzählt dieses Lied die zauberhafte Geschichte, wie der schönste Baum des Waldes heimlich in der Nacht geholt und geschmückt wird. Es ist eine liebevolle Hommage an den geschmückten Tannenbaum und die Figur des Weihnachtsmanns als seinen Bringer und Dekorateur.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text stammt aus der Feder des Dichters August Heinrich Hoffmann, der unter dem Namen Hoffmann von Fallersleben bekannt ist. Er veröffentlichte das Gedicht im Jahr 1835 in seiner Sammlung "Gedichte", die auch andere später vertonte Lieder wie "Alle Vögel sind schon da" enthielt. Die heute geläufige, volksliedhafte Melodie entstand vermutlich etwas später im 19. Jahrhundert. Sie ist ein typisches Beispiel für die einfachen, eingängigen Weisen, mit denen viele von Hoffmanns Texten unterlegt wurden, um sie für Kinder und Familien singbar zu machen. Die genauen Umstände der Vertonung sind nicht mehr lückenlos nachvollziehbar, was typisch für die mündliche Überlieferung vieler Volkslieder ist.
Biografischer Kontext
August Heinrich Hoffmann (1798-1874), der sich nach seiner Heimatstadt Fallersleben nannte, war einer der bedeutendsten Germanisten und Dichter des 19. Jahrhunderts. Er ist literaturgeschichtlich vor allem für zwei Dinge bekannt: als Verfasser des Textes der deutschen Nationalhymne ("Lied der Deutschen") und als leidenschaftlicher Sammler und Schöpfer von Kinderliedern. Seine Sammlung "Alte und neue Kinderlieder" war bahnbrechend. Sein Ziel war es, eine neue, deutsche Liedkultur für die Jugend zu schaffen, die sich von französischen Einflüssen abgrenzte. "Der Weihnachtsbaum" steht genau in dieser Tradition. Es ist kein frommes Kirchenlied, sondern ein heimisches, familiäres Festlied, das die bürgerliche Weihnachtskultur des 19. Jahrhunderts mitprägte.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist die Verklärung des Weihnachtsbaumes zum "allerschönsten" Geschenk der Natur, das durch die heimliche Arbeit des Weihnachtsmannes in ein Symbol reiner Freude verwandelt wird. Es geht um die Magie des Unerwarteten und die liebevolle Vorbereitung des Festes. Der Baum wird nicht einfach gekauft, sondern in einer stillen, sternenklaren Nacht aus dem Wald geholt – eine romantische Idealisierung. Die Botschaft ist einfach und klar: Die wahre Schönheit und der Zauber von Weihnachten liegen in der selbstlosen Vorbereitung, der Überraschung und dem gemeinsamen Staunen über das geschmückte Wunder in der guten Stube.
Kulturelle und historische Bedeutung
Das Lied spielt eine interessante Rolle in der Entwicklung der deutschen Weihnachtskultur. Es festigt die im 19. Jahrhundert immer populärer werdende Figur des Weihnachtsmannes (noch deutlich vor der starken Kommerzialisierung) als liebevollen Gabenbringer und schafft eine Verbindung zwischen ihm und dem zentralen Festsymbol, dem Tannenbaum. Internationale Übersetzungen oder große Adaptionen sind nicht stark verbreitet, was seinen Charakter als spezifisch deutschsprachiges Kulturgut unterstreicht. Es ist ein Lied, das die Tradition des geschmückten Christbaums, die von Deutschland aus die Welt eroberte, poetisch begleitet und erklärt.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
"Der Weihnachtsbaum" erzeugt eine warme, vertraute und märchenhafte Stimmung. Die Schilderung der "stillen Nacht" und des "Sternenscheins" vermittelt Ruhe und friedliche Erwartung. Die Beschreibung der heimlichen Tätigkeit des Weihnachtsmannes weckt kindliche Neugier und ein Gefühl des behüteten Wunders. Die Aufzählung der traditionellen Schmuckstücke – Lichter, Kuchen, Nüsse, Äpfel – ruft ein Bild gemütlicher, altertümlicher Weihnachtlichkeit hervor. Insgesamt ist die Stimmung weniger feierlich-ekstatisch, sondern eher innig, erzählend und wunder-gläubig.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Dieses Lied eignet sich perfekt für die ruhigen, vorbereitenden Momente in der Adventszeit. Singe es, wenn du selbst den Baum schmückst, als feierlicher Soundtrack zur Arbeit. Es passt wunderbar zum gemeinsamen Basteln von Baumschmuck oder beim Backen von Plätzchen. Am Heiligabend selbst ist der ideale Moment direkt vor oder nach dem feierlichen Betreten des Zimmers mit dem geschmückten Baum. Es ist weniger ein Lied für die festliche Bescherung, sondern vielmehr für den Augenblick des staunenden Betrachtens.
Für wen eignet sich das Lied?
Das Lied ist ideal für Familien mit kleineren Kindern, die noch an den Weihnachtsmann glauben oder die magische Geschichte lieben. Aufgrund seiner einfachen Melodie und der bildhaften Sprache eignet es sich auch hervorragend für den Kindergarten und den Musikunterricht in den unteren Grundschulklassen. Erwachsene, die eine nostalgische, weniger kommerzielle Weihnachtsatmosphäre schätzen, finden in diesem Lied einen besonderen Charme. Es spricht also alle an, die das Wunder des Weihnachtsbaumes in seiner traditionellen Form schätzen.
Für wen eignet sich das Lied weniger?
Für Menschen, die ein streng religiöses, auf die biblische Weihnachtsgeschichte ausgerichtetes Fest feiern, bietet das Lied wenig Anknüpfungspunkte, da Christus oder die Heilige Familie nicht erwähnt werden. Ebenso könnte es für Teenager oder Zyniker, die die Figur des Weihnachtsmannes als zu kindlich oder kommerziell empfinden, weniger ansprechend wirken. Wer nach modernen, poppigen oder besonders festlichen Weihnachtshits sucht, wird bei diesem ruhigen, erzählenden Stück vielleicht nicht fündig werden.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau in dem Moment, wenn die Lichter am Baum angezündet werden, aber die Geschenke noch nicht im Mittelpunkt stehen. Es ist der perfekte Soundtrack für die stille, gemeinsame Bewunderung des geschmückten Baumes. Dieser Augenblick des Innehaltens und Staunens, oft begleitet vom Duft von Tannennadeln und Kerzenwachs, wird durch das Singen oder Hören von "Der Weihnachtsbaum" tief verankert und poetisch veredelt. Es verwandelt eine schöne Tradition in eine kleine, besungene Geschichte, die du Jahr für Jahr wiedererleben kannst.
Mehr Adventslieder
- Christkindelein -
- Dein König kommt in niedern Hüllen - Friedrich Rückert
- Der Christbaum ist der schönste Baum - Johannes Karl
- Wachet auf, ruft uns die Stimme - Philipp Nicolai
- Ihr lieben Christen, freut euch nun - Erasmus Alberus
- Maria durch ein Dornwald ging -
- Macht hoch die Tür', die Tor' macht weit - Georg Weißel
- Nun jauchzet, all ihr Frommen - Michael Schirmer
- Nun komm, der Heiden Heiland - Martin Luther
- O Heiland, reiß die Himmel auf - Friedrich Spee
- Fröhlich soll mein Herze springen - Paul Gerhardt
- Tochter Zion - Friedrich Heinrich Ranke
- Wie soll ich dich empfangen - Paul Gerhardt
- Gott sei Dank durch alle Welt - Heinrich Held
- Es kommt ein Schiff, geladen - Daniel Sudermann
- Gott, heilger Schöpfer aller Stern - Thomas Müntzer
- Mit Ernst, o Menschenkinder - Valentin Thilo
- Geboren ist Christus, der Retter der Welt - Louis Lewandoeski