Der Christbaum ist der schönste Baum
Kategorie: Adventslieder
Der Christbaum ist der schönste Baum,
Autor: Johannes Karl
den wir auf Erden kennen.
Im Garten kein, im engsten Raum,
wie lieblich blüht der Wunderbaum,
wenn seine Lichter brennen
ja brennen.
Denn sieh, in dieser Wundernacht
ist einst der Herr geboren,
der Heiland, der uns selig macht.
Hätt’ er den Himmel nicht gebracht,
wär’ alle Welt verloren,
verloren.
Doch nun ist Freud’ und Seligkeit,
ist jede Nacht voll Kerzen.
Auch dir, mein Kind, ist das bereit't;
dein Jesus schenkt dir alles heut',
gern wohnt er dir im Herzen,
im Herzen.
O laß ihn ein! Er ist kein Traum,
er wählt dein Herz zum Garten,
will pflanzen in den engen Raum
den allerschönsten Wunderbaum
und seiner treulich warten,
ja warten.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
Dieses Lied ist ein echter Geheimtipp unter den deutschen Weihnachtsliedern. Es verbindet auf unverwechselbare Weise die äußere Pracht des festlich geschmückten Christbaums mit einer tiefen innerlichen, christlichen Botschaft. Während viele Lieder nur eine der beiden Seiten besingen, schafft "Der Christbaum ist der schönste Baum" eine poetische Brücke zwischen dem sichtbaren Symbol und seiner unsichtbaren, geistlichen Bedeutung. Das macht es zu einem besonderen und nachdenklichen Begleiter in der Adventszeit.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text stammt von Johannes Karl, einem heute eher unbekannten, aber im 19. Jahrhundert produktiven Dichter geistlicher Lieder. Das Gedicht erschien erstmals 1842 in seinem Werk "Kleine Missions-Harfe". Die heute geläufige, einfache und volksliedhafte Melodie wurde dem Text später zugeordnet. Ihre genaue Herkunft ist nicht vollständig geklärt, was typisch für viele Lieder aus dieser Zeit ist, die oft in Gesangbüchern und Sammlungen verbreitet wurden. Entstanden ist das Lied also in der Blütezeit der deutschen Hausmusik und des bürgerlichen Weihnachtsfestes, als der geschmückte Tannenbaum seinen Siegeszug durch die deutschen Stuben antrat.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes liegt in seiner doppelten Perspektive. Die erste Strophe preist den Christbaum als schönsten Baum, dessen brennende Lichter ein "lieblich blühen" erzeugen. Doch ab der zweiten Strophe verschiebt sich der Fokus: Der eigentliche "Wunderbaum" ist nicht die Tanne in der Stube, sondern die Geburt Jesu Christi, die die Welt vor dem Verlust rettet. Die dritte und vierte Strophe wenden diese Botschaft direkt an den Hörer. Jesus möchte nicht im Garten oder Wohnzimmer wohnen, sondern "im Herzen". Das Lied endet mit der eindringlichen Aufforderung, dieses Angebot anzunehmen und Jesus "einzulassen", damit er im eigenen Herzen den "allerschönsten Wunderbaum" pflanzen kann. Es ist also eine Einladung zur persönlichen Frömmigkeit.
Kulturelle und historische Bedeutung
Das Lied spiegelt die tiefe Verwurzelung des Weihnachtsbaumbrauchs im protestantischen Deutschland wider und gibt ihm eine theologische Deutung. Während das Aufstellen eines Baumes zunächst ein eher familiärer Brauch war, halfen Lieder wie dieses, den Baum christlich zu interpretieren und in den kirchlichen Kontext zu integrieren. Internationale Verbreitung oder bekannte Übersetzungen sind für dieses spezielle Lied nicht überliefert, was seinen Charakter als typisch deutschsprachiges, inniges Weihnachtslied unterstreicht. Es findet sich vor allem in regionalen Gesangbüchern und älteren Liedersammlungen.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
Das Lied erzeugt eine warme, besinnliche und zugleich hoffnungsvolle Stimmung. Die Beschreibung des leuchtenden Baumes weckt gemütliche Bilder von Familienfeiern im Kerzenschein. Der Text führt dann aber in eine ruhige, andächtige Tiefe. Es ist keine ausgelassene Festfreude, sondern eine stille, innere Freude, die hier besungen wird. Die Melodie unterstützt dies durch ihren getragenen, liedhaften Charakter, der zum Nachdenken und Innehalten einlädt.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Es eignet sich perfekt für ruhige Momente in der Adventszeit. Ideal ist es beim gemeinsamen Schmücken des Weihnachtsbaumes, wo der äußere Akt mit der innerlichen Bedeutung verbunden werden kann. Ebenso passt es in besinnliche Adventsandachten, in den Familienkreis am Heiligabend vor der Bescherung oder als meditativer Beitrag in einem Hauskonzert. Es ist ein Lied für die Stunde, in der die Hektik nachlässt und man zur Ruhe kommt.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Lied?
Das Lied spricht mit seiner klaren Bildsprache vom Baum und seinem Licht besonders Familien mit Kindern an. Die direkte Ansprache "Auch dir, mein Kind" in der dritten Strophe macht es für Kinder sehr zugänglich. Gleichzeitig bietet die theologische Tiefe auch Erwachsenen und älteren Menschen genug Substanz. Es ist somit ein generationenübergreifendes Lied, das in der Familie gemeinsam gesungen und gedeutet werden kann.
Für wen eignet sich das Lied weniger?
Für rein weltliche Weihnachtsfeiern, die ausschließlich dem geselligen Beisammensein ohne religiösen Bezug dienen, ist der Text möglicherweise zu explizit christlich. Wer eine Party mit ausschließlich fröhlichen und rhythmischen Weihnachtshits plant, wird mit der besinnlichen und textlastigen Art dieses Liedes wahrscheinlich nicht den gewünschten Effekt erzielen. Es ist kein Lied zum lauten Mitsingen in großer Runde, sondern eines zum aufmerksamen Hören oder leisen Singen.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau in dem Moment, wenn der Weihnachtsbaum fertig geschmückt ist und bevor die Lichter zum ersten Mal angezündet werden. In dieser gespannten, erwartungsvollen Stille entfaltet es seine ganze Magie. Singe es leise mit der Familie oder lies den Text vielleicht sogar erst einmal vor. Lass den Zauber des äußeren Lichts mit der inneren Botschaft des Liedes verschmelzen. Das ist der perfekte Augenblick für "Der Christbaum ist der schönste Baum": wenn das sichtbare Symbol seinen tiefsten Sinn offenbart und aus einem schönen Brauch eine persönliche, stille Weihnachtsfreude wird.
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