Maria durch ein Dornwald ging
Kategorie: Adventslieder
Maria durch ein Dornwald ging.
Autor: unbekannt
Kyrieleison!
Maria durch ein Dornwald ging,
der hatte in sieben Jahr'n kein Laub getragen!
Jesus und Maria.
Was trug Maria unterm Herzen?
Kyrieleison!
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.
Da haben die Dornen Rosen getrag'n;
Kyrieleison!
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria.
Wie soll dem Kind sein Name sein?
Kyrieleison!
Der Name, der soll Christus sein,
das war von Anfang der Name sein!
Jesus und Maria.
Wer soll dem Kind sein Täufer sein?
Kyrieleison!
Das soll der Sankt Johannes sein,
der soll dem Kind sein Täufer sein!
Jesus und Maria.
Was kriegt das Kind zum Patengeld?
Kyrieleison!
Den Himmel und die ganze Welt,
das kriegt das Kind zum Patengeld!
Jesus und Maria.
Wer hat erlöst die Welt allein?
Kyrieleison.
Das hat getan das Christkindlein,
das hat erlöst die Welt allein!
Jesus und Maria.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
"Maria durch ein Dornwald ging" ist ein echter und sehr alter Weihnachtsklassiker, der sich deutlich von fröhlichen Hirten- und Glockenliedern abhebt. Seine Unverwechselbarkeit liegt in der mystischen, fast märchenhaften Erzählung von der wundersamen Wandlung eines toten Dornenwaldes. Es ist kein Lied über die Geburt im Stall, sondern eine tiefgründige Betrachtung der Reise dorthin und der verborgenen Göttlichkeit in Maria. Der stetige Wechsel zwischen erzählenden Versen und dem feierlichen Ruf "Kyrieleison" verleiht ihm einen fast liturgischen, meditativen Charakter.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist die Verheißung von Leben und Erlösung, die selbst in der trostlosesten Öde aufblüht. Der Dornwald, der sieben Jahre lang kein Laub trug, symbolisiert eine Welt vor Christus: karg, unfruchtbar und ohne Hoffnung. Marias Gang durch diese Wildnis mit dem ungeborenen Jesuskind bewirkt ein sofortiges Wunder. Die Dornen tragen Rosen. Dieses starke Bild zeigt, dass die Anwesenheit des Göttlichen die Schöpfung verwandelt und neues, schönes Leben aus scheinbar totem Material erschafft. Die späteren Strophen, die Taufe und Patengeschenk thematisieren, weiten den Blick auf die gesamte Heilsgeschichte, die mit dieser geheimen Reise beginnt.
Kulturelle und historische Bedeutung
Das Lied hat seine Wurzeln vermutlich im 19. Jahrhundert, wobei die Motive viel älter sind und auf mittelalterliche Marienlieder und Wallfahrtsgesänge zurückgehen. Es ist ein fester, eher besinnlicher Bestandteil des deutschen Advents- und Weihnachtsliedguts, besonders in katholisch geprägten Regionen. International ist es weniger als "Stille Nacht" verbreitet, hat aber durch seine eindringliche Melodie und Symbolkraft Eingang in das Repertoire vieler Chöre gefunden. Es existieren verschiedene englische Übersetzungen, etwa "Mary Walked Through a Wood of Thorn", die jedoch nicht annähernd die gleiche Bekanntheit erlangt haben. Seine kulturelle Stärke liegt in der Bewahrung einer archaischen, bildhaften Glaubensvorstellung.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
"Maria durch ein Dornwald ging" erzeugt eine ganz eigene, intensive Stimmung. Sie ist nicht einfach nur besinnlich, sondern trägt Züge von Ehrfurcht, staunender Verwunderung und geheimnisvoller Erwartung. Die wiederholte Anrufung "Kyrieleison" (Herr, erbarme dich) verleiht dem Gesang einen bittenden, feierlichen Grundton. Gleichzeitig spendet das Bild der blühenden Rosen mitten im Winter Trost und Hoffnung. Insgesamt ist die Atmosphäre ruhig, nachdenklich und tiefgründig, fast ein wenig mystisch. Es ist ein Lied, das zum Innehalten und zur Kontemplation einlädt.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Dieses Lied passt perfekt in die stille Zeit des Advents, lange vor dem festlichen Weihnachtstrubel. Es ist ideal für den frühen Abend, wenn die Kerzen am Adventskranz brennen, oder für eine ruhige Runde beim Tee. Aufgrund seines erzählenden und theologisch anspruchsvolleren Charakters eignet es sich auch sehr gut für Adventsandachten, Rorate-Messen oder besinnliche Konzerte. Es ist ein wunderbarer musikalischer Begleiter für einen Spaziergang in der winterlichen Natur, wo man selbst die kargen Äste der Bäume sieht und sich das Wunder der Rosen vorstellen kann.
Für wen eignet sich das Lied?
Das Lied spricht besonders erwachsene Hörer und Sänger an, die eine tiefere, symbolträchtige Ebene des Weihnachtsfestes suchen. Es ist ideal für Familien mit älteren Kindern oder Jugendlichen, die bereit sind, über die Bilder von Dornen und Rosen nachzudenken. Chöre und kirchenmusikalisch Interessierte schätzen es für seinen kunstvollen Aufbau und seinen emotionalen Gehalt. Grundsätzlich eignet es sich für jeden, der die Adventszeit nicht nur als Vorfreude, sondern auch als Zeit der inneren Einkehr und Reflexion versteht.
Für wen eignet sich das Lied weniger?
Für sehr junge Kinder, die sich auf den Weihnachtsmann, das Christkind im Stall und fröhliche Lieder freuen, könnte die düstere Symbolik des Dornenwaldes und der eher ernste, getragene Gesang weniger zugänglich sein. Ebenso ist es vielleicht nicht die erste Wahl für eine ausgelassene Weihnachtsfeier im Büro oder eine Party, wo es um Geselligkeit und unbeschwerte Freude geht. Wer nach einem einfachen, eingängigen Ohrwurm sucht, wird bei "Maria durch ein Dornwald ging" nicht unbedingt fündig.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn du eine Pause vom kommerziellen Weihnachtstrubel brauchst und dich auf den ursprünglichen, wundersamen Kern der Geschichte besinnen möchtest. Der perfekte Moment ist ein dunkler Adventsnachmittag, wenn das Tageslicht schwindet. Zünde eine Kerze an, vielleicht denkst du an eigene "dornige" Zeiten oder Herausforderungen, und lass dich von der einfachen, kraftvollen Botschaft tragen: dass neues Leben und unerwartete Schönheit selbst an den unwirtlichsten Orten und in den dunkelsten Zeiten erblühen können. In diesem Moment wird "Maria durch ein Dornwald ging" zu mehr als einem Lied – es wird zu einer tröstenden und hoffnungsvollen Meditation.
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