Macht hoch die Tür', die Tor' macht weit

Kategorie: Adventslieder

Macht hoch die Tür', die Tor' macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich';
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Segen mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron' ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all uns're Not zum End' er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat!
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein!
Er ist die rechte Freudensonn',
bringt mit sich lauter Freud' und Wonn'.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür’, die Tor' macht weit,
eu'r Herz zum Tempel zubereit't.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud’;
so kommt der König auch zu euch,
ja Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad',

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

Autor: Georg Weißel

Kurze einleitende Zusammenfassung

"Macht hoch die Tür', die Tor' macht weit" ist ein unverwechselbarer Adventsklassiker, der sich deutlich von besinnlichen Weihnachtsliedern abhebt. Sein Charakter ist weniger still und nachdenklich, sondern vielmehr ein triumphaler und festlicher Aufruf. Das Lied malt das Bild eines königlichen Einzugs und verwandelt die Erwartung des Christkinds in ein majestätisches Ereignis, bei dem Tore und Herzen weit geöffnet werden müssen. Diese kraftvolle, fast marschartige Feierlichkeit macht es zu einem einzigartigen Juwel im Adventsgesang.

Historie & Entstehungsgeschichte

Der Text stammt von Georg Weißel, einem evangelischen Pfarrer aus Königsberg. Er verfasste das Lied für die Einweihung der neu erbauten Altroßgärter Kirche in Königsberg im Jahr 1623. Die ursprüngliche Melodie war eine weltliche, fröhliche Tanzweise aus dem 16. Jahrhundert. Später, im 19. Jahrhundert, wurde der Text mit der heute geläufigen, kraftvollen Melodie von Johann Sebastian Bachs Schüler und Schwiegersohn, Johann Christoph Altnickol, verbunden. Diese Fassung setzte sich durch und prägt bis heute den festlichen Charakter des Liedes.

Biografischer Kontext

Georg Weißel (1590-1635) war ein bedeutender geistlicher Dichter des deutschen Barock. Er wirkte während des Dreißigjährigen Krieges, einer Zeit großer Not und Unsicherheit. Seine Lieder, von denen "Macht hoch die Tür'" das bekannteste ist, zeichnen sich durch eine starke, tröstende Bildsprache und ein unerschütterliches Gottvertrauen aus. Sie sollten den Glauben seiner Gemeinde festigen und Hoffnung spenden. Die spätere Vertonung durch den Bach-Schüler Altnickol verankerte das Lied dann fest im evangelischen Kirchenmusikerbe.

Inhaltliche Deutung & Botschaft

Die Kernbotschaft des Liedes ist die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu Christi als Herrscher und Retter. Es geht weit über die Geburt eines Kindes hinaus. Christus wird als "König aller Königreich'" und "Heiland" beschrieben, der Heil, Segen und ein Ende aller Not bringt. Die Aufforderung "Macht hoch die Tür'" ist dabei doppeldeutig: Sie meint sowohl die reale Kirchentür zur Einweihung 1623 als auch metaphorisch das menschliche Herz, das zum Tempel Gottes werden soll. Es ist ein Lied der aktiven, freudigen Erwartung und der inneren Bereitschaft.

Kulturelle und historische Bedeutung

Das Lied ist ein fester und unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Adventsbrauchtums, besonders im evangelischen Raum. Es wird traditionell am ersten Advent gesungen und markiert damit feierlich den Beginn der Vorweihnachtszeit. Internationale Übersetzungen existieren, etwa ins Englische ("Lift Up Your Heads, Ye Mighty Gates"), doch seine größte Popularität und kulturelle Tiefe besitzt es im deutschsprachigen Gebiet. Seine kraftvolle Melodie macht es zudem zu einem beliebten Stück für Chöre und Bläsergruppen.

Welche Stimmung erzeugt das Lied?

"Macht hoch die Tür'" erzeugt eine einzigartige, bewegende Stimmung. Es ist weniger intim oder beschaulich, sondern voller erwartungsvoller Freude und majestätischer Festlichkeit. Die markante Melodie mit ihrem punktierten Rhythmus verleiht dem Gesang einen fast processionellen, feierlichen Charakter. Man fühlt sich weniger zum stillen Nachsinnen eingeladen, sondern vielmehr dazu, sich einem freudigen, gemeinsamen Aufbruch und Empfang anzuschließen. Es ist ein Lied, das Kraft und Zuversicht ausstrahlt.

Für welche Anlässe eignet sich das Lied?

Das Lied ist der perfekte musikalische Auftakt für die Adventszeit. Sein Platz ist eindeutig am ersten Adventssonntag, sowohl im Gottesdienst als auch beim heimischen Anzünden der ersten Kerze. Es eignet sich hervorragend für festliche Adventskonzerte, Stadtfeste mit Weihnachtsmarkt-Eröffnung oder jeden Moment, der einen feierlichen und hoffnungsvollen Beginn markieren soll. Auch beim gemeinsamen Schmücken des Hauses oder des Weihnachtsbaums kann es eine festliche, gemeinschaftsstiftende Atmosphäre schaffen.

Für wen eignet sich das Lied?

Das Lied spricht alle Altersgruppen an, die einen festlichen und traditionellen Adventsbrauch schätzen. Durch seinen eingängigen, rhythmischen Refrain ("Gelobet sei mein Gott...") ist es auch für Kinder gut zu lernen und mitzusingen. Besonders ansprechend ist es für Menschen, die die theologische Tiefe der Adventszeit schätzen und sich an der kraftvollen, königlichen Christus-Darstellung erfreuen. Chorsänger und Musikliebhaber schätzen zudem seine musikalische Qualität und Wirkung.

Für wen eignet sich das Lied weniger?

Wer nach einem ruhigen, besinnlichen oder romantischen Weihnachtslied sucht, wird hier vielleicht nicht vollständig fündig. Seine marschartige, triumphale Stimmung passt weniger zu intimen, stillen Momenten am Kamin. Auch für Menschen, die ausschließlich moderne, poppige Weihnachtsmusik bevorzugen, könnte der traditionelle Kirchenlied-Charakter mit seiner altertümlichen Sprache ("derhalben jauchzt") eine Hürde darstellen. Es ist definitiv ein Lied für die Gemeinschaft, weniger für das stille Solo.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Lied genau dann, wenn du den Advent nicht nur leise beginnen, sondern ihn feierlich einläuten möchtest. Der perfekte Moment ist der erste Advent, wenn die erste Kerze am Adventskranz angezündet wird und du mit Familie oder Freunden zusammenkommst. Lass die kraftvollen Klänge erklingen, während es draußen dunkel wird, und spüre, wie diese Musik Raum schafft – im Zimmer und im Herzen. Es ist der Soundtrack für einen hoffnungsvollen, freudigen und bewussten Start in die schönste Zeit des Jahres. Ein unübertroffenes Erlebnis, das jedes Jahr aufs Neue begeistert.

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