Deutsche Weihnachtslieder

Weihnachtslieder haben in Deutschland eine lange Tradition. Sie gehören genauso zu Weihnachten wie der Weihnachtsbaum, bunte Lichter, leckeres Gebäck und die Geschenke. Wenn die liebliche Musik am Jahresende überall ertönt, leuchten nicht nur die Augen der Kinder. Auch die Erwachsenen verfallen schnell dem weihnachtlichen Zauber.

Inhaltsverzeichnis

Bekannte deutsche Weihnachtslieder

Zwar waren die ältesten Weihnachtslieder noch auf lateinisch verfasst. Bereits im Mittelalter entstanden jedoch zahlreiche deutsche Kirchenlieder, aus denen die heutigen Weihnachtslieder hervorgingen. Einige der Lieder sind seitdem nicht mehr aus der Weihnachtszeit wegzudenken. Oder könnt Ihr Euch Weihnachten ohne die folgenden deutschen Weihnachtslieder vorstellen?

Musik - bzw. zahlreiche der oben aufgeführten Lieder - spielen aber nicht nur am Heiligabend eine zentrale Rolle. Sie werden den ganzen Advent über gesungen. Bereits die Vorweihnachtszeit ist geprägt von weihnachtlichen Klängen. Anfang Dezember lässt nämlich der Nikolaus mit Lasst uns froh und munter sein schon aufhorchen.

In der folgenden Zeit wird es musikalisch keineswegs ruhiger. Deutsche Weihnachtslieder sind allgegenwärtig - ob im Radio, Fernsehen oder beim Bummel durch die Geschäfte.

Wissenswertes:

Der Text vom wohl bekanntesten deutschen Weihnachtslied stammt von Joseph Mohr. Hierbei handelt es sich um Stille Nacht, heilige Nacht!

Über die Jahrhunderte sind unzählige deutsche Weihnachtslieder entstanden, von denen zahlreiche Texte und Videos in unserer Sammlung zu finden sind. Um dem ganzen die nötige Struktur zu verleihen, haben wir sämtliche Lieder kategorisch für Euch einsortiert. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

Warum deutsche Weihnachtslieder die ganze Welt prägen

Wer in Japan, Australien oder Brasilien zur Weihnachtszeit Musik hört, begegnet deutschen Einflüssen, ohne es zu wissen. "Stille Nacht" wird in mehr als 300 Sprachen gesungen - kein anderes Lied der Welt kann das von sich behaupten. "O Tannenbaum" ist in nordamerikanischen Einkaufszentren so selbstverständlich wie "Jingle Bells". Der Weihnachtsbaum selbst, ohne den kein westliches Weihnachten vorstellbar ist, stammt aus deutschen Landen und brachte seinen Liederschmuck gleich mit.

Diese globale Durchdringung ist kein Zufall. Deutschland hat im 19. Jahrhundert, als die Weihnachtskultur ihre heutige Form annahm, eine musikalische Fülle hervorgebracht, die schlicht keine Konkurrenz hatte. Hunderte von Liedern entstanden in wenigen Jahrzehnten, viele davon von Dichtern und Komponisten ersten Ranges. Diese Lieder reisten mit deutschen Einwanderern in alle Welt und wurden dort adaptiert, übersetzt und weitergesungen. Der Grundriss der modernen Weihnachtsmusik ist deutsch - auch wenn das heute kaum noch jemand explizit so wahrnimmt.

Die Reformation als Wendepunkt: Wie Luther die Weihnachtsmusik erfand

Martin Luther hat Weihnachtslieder nicht erfunden - aber er hat ihre Sprache erfunden. Als er 1517 mit seiner Reformation die Kirche erschütterte, war eine seiner zentralen Forderungen, dass Gottesdienste in der Sprache des Volkes stattfinden sollten, nicht auf Latein. Das Gleiche galt für die Kirchenmusik. Luther schrieb selbst Lieder auf Deutsch, darunter das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch, da komm ich her" (1535), und ermutigte Gemeinden, in ihrer eigenen Sprache zu singen.

Diese Entscheidung hatte weitreichende Folgen. Sie öffnete die Weihnachtsmusik für alle - nicht nur für die lateinisch Gebildeten, sondern für jeden, der singen konnte. Das Kirchenlied wurde zum Volkslied, das Volkslied zum Kirchenlied, und die Grenze zwischen beiden verschwamm zu einer produktiven Unschärfe, aus der die reichste Weihnachtslieder-Tradition der Welt entstand. Ohne Luthers Entscheidung, auf Deutsch zu singen, gäbe es "Stille Nacht" vermutlich nicht.

Diese historische Verbindung zwischen Reformation und Weihnachtsmusik ist in Deutschland bis heute spürbar, auch wenn die kirchliche Bindung in der Bevölkerung abnimmt. Weihnachtslieder sind in Deutschland tiefer im kollektiven Gedächtnis verankert als in den meisten anderen Ländern - weil sie seit 500 Jahren in der Muttersprache gesungen werden.

Stille Nacht: Das Lied, das alles überlebt hat

Stille Nacht, heilige Nacht! wurde am 24. Dezember 1818 in Oberndorf bei Salzburg zum ersten Mal gesungen. Joseph Mohr hatte den Text bereits zwei Jahre zuvor geschrieben; Franz Xaver Gruber setzte ihn auf eine einfache Melodie für Gitarre, weil die Kirchenorgel defekt war. Die Uraufführung war kein triumphales Ereignis - zwei Männer mit einer Gitarre in einer kleinen Dorfkirche.

Was danach geschah, ist eine der merkwürdigsten Erfolgsgeschichten der Musikgeschichte. Das Lied verbreitete sich durch wandernde Sängergruppen über die Alpen, nach Deutschland, von dort in die Welt. Es wurde übersetzt, kopiert, arrangiert, in fast jeder Musikform interpretiert. Es wurde im Schützengraben des Ersten Weltkriegs gesungen, als deutsche und britische Soldaten sich am Weihnachtsabend 1914 spontan einen Waffenstillstand gaben. Es begleitete Millionen von Menschen durch die schlimmsten Stunden der Weltgeschichte und durch die schönsten Momente ihrer eigenen.

Kein anderes Weihnachtslied - kein anderes Lied überhaupt - hat eine vergleichbare Reise gemacht. Die Schlichtheit der Melodie und die Universalität des Bildes, das der Text zeichnet, haben ihm eine Tragfähigkeit gegeben, die komplexere Werke nicht besitzen. "Stille Nacht" ist kein deutsches Lied mehr - es gehört der Menschheit.

Vom ersten Advent bis Heiligabend: Die musikalische Dramaturgie der Vorweihnachtszeit

Weihnachtslieder in Deutschland folgen einem inneren Zeitplan. Wer genau hinhört, merkt, dass bestimmte Lieder zu bestimmten Momenten der Adventszeit gehören - nicht durch Regelwerk, sondern durch eine kollektive Empfindung, die sich über Generationen herausgebildet hat.

Der Dezember beginnt mit dem Nikolaustag am 6. Dezember - und pünktlich dazu erklingen "Lasst uns froh und munter sein" und "Nikolaus, der gute Mann". Diese Lieder haben eine andere Energie als die späteren Weihnachtslieder: lebhafter, spielerischer, auf Kinder zugeschnitten. Der Advent selbst bringt besinnlichere Töne mit sich - "Macht hoch die Tür", "Der Advent ist eine gute Zeit", Adventslieder, die vom Warten und Erwarten handeln.

In den letzten Tagen vor dem Fest verdichtet sich die Stimmung. Die Lieder werden feierlicher, ruhiger, fast atemlos. "Morgen Kinder wird's was geben" spiegelt die Aufregung der letzten Nächte. Und dann, am Abend des 24. Dezembers, kommt "Stille Nacht" - das Lied, für das alle anderen vielleicht nur Vorbereitung waren. Diese Dramaturgie ist ungeschrieben, aber sie ist real. Man fühlt sie, wenn man Weihnachten in Deutschland erlebt.

Dichter und Komponisten: Wer die deutschen Weihnachtsklassiker schrieb

Hinter den Liedern, die heute wie selbstverständlich gesungen werden, stehen sehr konkrete Menschen - mit Biografien, Motivationen und Zeitumständen, die das Entstehen dieser Lieder erklären. Diese Geschichte ist reich und selten erzählt.

Johannes Daniel Falk schrieb "O du fröhliche" nicht als feierliche Hymne, sondern aus tiefer persönlicher Not. Er hatte im Jahr 1816 vier seiner Kinder bei einer Typhusepidemie verloren. Das Lied, das er kurz danach schrieb, war ein Akt der Selbststärkung - ein Bekenntnis zur Freude, das umso schwerer wiegt, wenn man weiß, unter welchen Umständen es entstand.

Hoffmann von Fallersleben, bekannt als Verfasser des Deutschlandliedes, schrieb auch "Alle Jahre wieder" - ein Lied von außerordentlicher Einfachheit und außerordentlicher Wirkung. Entstanden 1837, hat es eine Melodie bekommen, die so nahtlos zu den Worten zu passen scheint, als wären beide gleichzeitig erfunden worden. In Wirklichkeit schrieb Friedrich Silcher die Melodie, und die Verbindung entstand erst nach und nach.

Heinrich Seidel schrieb "Leise rieselt der Schnee" 1895 als Gedicht ohne Musikabsicht. Der Text hat keinen religiösen Bezug und handelt ausschließlich von der winterlichen Atmosphäre - schneebedeckte Welt, Stille, Frieden. Diese Weltlichkeit hat dem Lied eine erstaunliche Reichweite gegeben: Es passt ins Kirchenkonzert und auf die Weihnachtsfeier gleichermaßen.

Deutschlands größter Kulturexport: Weihnachtslieder in der Welt

Es gibt eine Ironie darin, dass Deutschland als Exportnation vor allem für Autos und Maschinen bekannt ist - während sein vielleicht einflussreichstes Exportprodukt ein Lied ist. "Stille Nacht" in 300 Sprachen, "O Tannenbaum" als Melodie für politische Hymnen in mehreren Ländern, der Weihnachtsbaum mit seinen begleitenden Liedern als weltweit verbreitetes Fest-Symbol - das sind kulturelle Ausstrahlungen, die kein Wirtschaftsgut in dieser Breite erreicht.

Besonders interessant ist die amerikanische Geschichte des deutschen Weihnachtsliedes. Deutsche Einwanderer, die ab den 1840er Jahren in großer Zahl in die USA kamen, brachten ihre Weihnachtstradition mit - einschließlich der Lieder. In deutschen Einwanderergemeinschaften in Ohio, Pennsylvania und Missouri wurden deutsche Weihnachtslieder noch Generationen nach der Einwanderung gesungen. Von dort diffundierten sie in die amerikanische Mainstream-Kultur und wurden zu einem Teil des amerikanischen Weihnachtens, dessen deutsche Herkunft weitgehend vergessen ist.

Was deutsche Weihnachtslieder emotional so wirksam macht

Es wäre einfach zu sagen, deutsche Weihnachtslieder berühren, weil sie aus der Kindheit bekannt sind - Konditionierung durch Wiederholung. Das stimmt, aber es reicht als Erklärung nicht aus. Es gibt Lieder, die ebenso oft gehört wurden und trotzdem keine vergleichbare emotionale Wirkung haben. Die deutschen Weihnachtsklassiker haben etwas, das über Gewohnheit hinausgeht.

Ein Teil davon liegt in der melodischen Struktur. Die großen deutschen Weihnachtslieder haben Melodien, die eine musikalische Spannung aufbauen und sie auf eine befriedigende Weise auflösen - Bögen, die das Ohr führen, Phrasen, die sich steigern und wieder zur Ruhe kommen. Diese Strukturen sind keine Zufälle; sie wurden von Komponisten geschaffen, die handwerklich ausgebildet waren und die Wirkung von Melodie auf den Hörer verstanden. Das Ergebnis sind Lieder, die auf einer physiologisch-akustischen Ebene wirken, bevor der Text überhaupt eine Rolle spielt.

Ein anderer Teil liegt in den Texten. Die besten deutschen Weihnachtslieder haben Texte, die konkrete, sinnliche Bilder erzeugen - Licht, Kälte, Stille, ein Kind, ein Stern, ein Tannenbaum. Diese Bilder sind einfach genug, um universell zu sein, und spezifisch genug, um im Kopf zu entstehen. Wenn du "Leise rieselt der Schnee" hörst, siehst du Schnee, auch wenn du in einem beheizten Zimmer sitzt. Das ist die Kraft guter Liedtexte - und die deutschen Weihnachtsklassiker haben sie in Fülle.

Fragen zu deutschen Weihnachtsliedern

Wie viele deutsche Weihnachtslieder gibt es?

Eine genaue Zahl lässt sich kaum nennen. Allein im deutschsprachigen Raum sind über die Jahrhunderte Tausende von Weihnachtsliedern entstanden - regionale Lieder, Kirchenlieder, Volkslieder, Kunstlieder, moderne Popkompositionen. Der "aktive Kanon" - die Lieder, die tatsächlich noch regelmäßig gesungen werden - ist deutlich kleiner und umfasst vielleicht zwei- bis dreihundert Lieder, von denen zwanzig bis dreißig wirklich jeden Winter in allen Teilen des Landes erklingen.

Welches deutsche Weihnachtslied ist das älteste?

"In dulci jubilo" ist eines der ältesten deutschen Weihnachtslieder, das noch heute gesungen wird. Es entstand im 14. Jahrhundert und ist ein sogenanntes makaronisches Lied - es mischt Latein und Deutsch in derselben Strophe. Das zeigt, wie früh die Volkssprache in die Weihnachtsmusik eingedrungen ist und wie lange manche Melodien tatsächlich schon tragen. Andere sehr alte Lieder wie "Resonet in laudibus" aus dem 14. Jahrhundert haben es nicht in den aktiven Kanon geschafft, werden aber in kirchlichen Kreisen noch gepflegt.

Warum klingen Weihnachtslieder aus Deutschland so anders als amerikanische?

Der Unterschied hat historische und kulturelle Wurzeln. Deutsche Weihnachtslieder entstanden größtenteils im 19. Jahrhundert aus kirchlicher und volksliedhafter Tradition - mit einem melodischen Duktus, der von Chorgesang, Orgel und familiärem Singen geprägt ist. Amerikanische Weihnachtslieder entstanden im 20. Jahrhundert stark unter dem Einfluss von Jazz, Pop, Big Band und Showbusiness. Das eine klingt nach Kirchenraum und Familienstube, das andere nach Radioshow und Einkaufszentrum. Beide haben ihre Berechtigung - aber sie erzählen verschiedene Geschichten über Weihnachten.

Welche deutschen Weihnachtslieder eignen sich am besten für eine Weihnachtsfeier?

Für eine Gruppe, die gemeinsam singen soll, eignen sich Lieder mit kurzen, wiederholten Refrains am besten - "O Tannenbaum", "Kling, Glöckchen", "Fröhliche Weihnacht überall". Diese Lieder sind so bekannt, dass praktisch jeder zumindest die erste Strophe mitsingen kann, was Hemmschwellen abbaut. Für stimmungsvolle Hintergrundmusik ohne Mitsingen-Erwartung eignen sich ruhigere, mehrstrophige Lieder wie "Leise rieselt der Schnee" oder "Vom Himmel hoch".

Gibt es einen Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschland im Weihnachtslieder-Repertoire?

Ja, durchaus. Bayern hat eine eigene, lebendige Weihnachtslieder-Tradition mit mundartlichen Liedern und einer starken alpinen Volksmusikprägung. Das Erzgebirge hat sein spezifisches Repertoire in erzgebirgischer Mundart. Norddeutschland ist weniger regional geprägt und orientiert sich stärker am gemeindeutschen Kanon, hat aber durch die lutherische Kirchentradition eine besonders intensive Verbindung mit dem älteren deutschen Kirchenlied. In Köln und dem Rheinland gibt es kölsche Weihnachtslieder als eigenständige Tradition. Diese Vielfalt ist eine Stärke - Deutschland singt Weihnachten nicht im Chor einer einzigen Stimme.

24 deutsche Weihnachtslieder zum Anhören und Mitsingen

Einen kleinen Vorgeschmack auf unsere riesige Sammlung liefert dieses Video, das 24 weihnachtliche Titel beinhaltet.

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