Nach grüner Farb mein Herz verlangt

Kategorie: Winterlieder

Nach grüner Farb mein Herz verlangt
in dieser trüben Zeit
Der grimmig Winter währt so lang
der Weg ist mir verschneit
Die süßen Vöglein jung und alt
die hört man lang nit meh'
das tut des argen Winters Gwalt
der treibt die Vöglein aus dem Wald
mit Reif und kaltem Schnee

Er macht die bunten Blümlein fahl
im Wald und auf der Heid
dem Laub und Gras allüberall
dem hat er widerseit
All Freud und Lust wird jetzo feil
die uns der Sommer bringt
Gott geb dem Sommer Glück und Heil
der zieht nach Mittentag am Seil
daß er den Winter zwingt.

Autor: unbekannt

Kurze einleitende Zusammenfassung

"Nach grüner Farb mein Herz verlangt" ist ein faszinierendes und eher unbekanntes Juwel unter den deutschen Weihnachtsliedern. Es unterscheidet sich radikal von der typischen fröhlichen Festtagsmusik. Statt von der Geburt Christi zu erzählen, beschreibt es in einer fast mittelalterlich anmutenden Bildsprache die tiefe Sehnsucht nach dem Ende des Winters. Seine Unverwechselbarkeit liegt in dieser melancholischen Naturbetrachtung, die das Warten auf Weihnachten mit dem uralten menschlichen Warten auf den Frühling verbindet. Es ist weniger ein Lied zum lauten Singen als vielmehr ein poetisches Stimmungsbild.

Inhaltliche Deutung & Botschaft

Die Kernbotschaft des Liedes ist die Hoffnung in einer Zeit der Dunkelheit. Der Text artikuliert eine existenzielle Sehnsucht ("mein Herz verlangt") nach dem lebensspendenden Grün, nach Vogelgesang und Wärme. Der Winter wird als "grimmig" und "arg" personifiziert, als eine gewaltsame Macht ("Gwalt"), die die Freude vertreibt. Die entscheidende Botschaft steckt in den letzten Zeilen: Es ist ein Gebet an Gott, dem Sommer "Glück und Heil" zu geben, damit dieser den Winter besiegt ("zwingt"). Das Lied deutet Weihnachten somit als Wendepunkt, als Beginn der Rückkehr des Lichts, was über die christliche Symbolik hinausgeht und archetypische Gefühle anspricht.

Kulturelle und historische Bedeutung

Dieses Lied hat seine Wurzeln vermutlich im späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit, was die altertümliche Sprache ("Gwalt", "Heid", "widerseit") und die Naturmetaphorik nahelegen. Es steht in der Tradition der "Winter- und Sommerlieder", die den Kampf der Jahreszeiten thematisieren. In der deutschen Weihnachtskultur nimmt es eine Nischenposition ein; es ist kein gängiger Gemeindegesang, sondern findet sich eher in Sammlungen historischer Volkslieder oder im Repertoire von Ensembles für Alte Musik. Internationale Übersetzungen oder Adaptionen sind kaum bekannt, was seinen besonderen, lokal-verwurzelten Charakter unterstreicht. Seine Bedeutung liegt heute im Bewahren einer fast vergessenen poetischen Perspektive auf die Adventszeit.

Welche Stimmung erzeugt das Lied?

Das Lied erzeugt eine tiefgründige, nachdenkliche und leicht melancholische Stimmung. Die Bilder von verschneiten Wegen, verstummten Vögeln und welken Blumen evozieren Stille und Kargheit. Es ist eine Stimmung des Innehaltens und der sehnsuchtsvollen Erwartung, nicht des ungeduldigen Vorfreude. Die Musik, oft in einem langsamen, getragenen Tonfall gesetzt, verstärkt diesen Eindruck. Es ist die akustische Entsprechung zu einem frostklaren, sternenhellen Winternachmittag, an dem die Natur in einem scheinbar endlosen Schlaf zu liegen scheint.

Für welche Anlässe eignet sich das Lied?

Perfekt passt dieses Stück in die ruhigen Momente der frühen Adventszeit, besonders in den November oder Anfang Dezember, wenn die Tage am kürzesten sind. Es eignet sich hervorragend für besinnliche Adventsabende bei Kerzenschein, wo man über die tieferen Sinne der Jahreszeit nachdenken möchte. Auch für einen winterlichen Spaziergang mit anschließendem Beisammensein kann es die passende Hintergrundmusik sein. Es ist ideal für Momente, in denen du eine Pause von der kommerziellen Hektik brauchst und eine authentischere, ursprünglichere Verbindung zur winterlichen Jahreszeit suchst.

Für wen eignet sich das Lied?

Das Lied spricht besonders erwachsene Hörer an, die einen Sinn für historische Poesie und musikalische Nuancierung haben. Es ist ideal für Menschen, die die Adventszeit als Zeit der inneren Einkehr und Reflexion schätzen. Auch Geschichtsinteressierte und Liebhaber alter Volksmusik finden hier ein besonderes Kleinod. In einem pädagogischen Kontext kann es älteren Schülern oder Studenten einen eindrücklichen Einblick in die kulturhistorische Wahrnehmung von Winter und Weihnacht vor der Moderne geben.

Für wen eignet sich das Lied weniger?

Für Kindergeburtstage oder laute Weihnachtsfeiern mit dem Ziel puren Frohsinns ist dieses Lied weniger geeignet. Seine langsame, textlastige und nicht offensichtlich festliche Art könnte jüngere Kinder langweilen oder überfordern. Auch wer ausschließlich nach bekannten, mitreißenden Ohrwürmern zum Mitsingen sucht ("Stille Nacht", "O du fröhliche"), wird hier vielleicht nicht fündig. Es ist kein Lied für den schnellen Stimmungsaufbau, sondern eines für die Tiefe.

Abschließende Empfehlung

Wähle "Nach grüner Farb mein Herz verlangt" genau dann, wenn du eine musikalische Pause von der allgegenwärtigen Weihnachtshektik brauchst. Der perfekte Moment ist ein stiller Abend in der ersten Dezemberwoche, vielleicht der erste Advent selbst. Setz dich ans Fenster, schau in die dunkle, kalte Nacht und lass den Text und die Melodie auf dich wirken. In dieser Umgebung entfaltet das Lied seine ganze Kraft und verwandelt das Warten auf Weihnachten in ein fast meditatives Erlebnis der Sehnsucht und der Hoffnung auf neues Leben. Es ist das Lied für alle, die in der Adventszeit auch die Stille und die Poesie der Dunkelheit wertschätzen.

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