So treiben wir den Winter aus
Kategorie: Winterlieder
So treiben wir den Winter aus,
Autor: unbekannt
durch unsre Stadt zum Tor hinaus
und jagen ihn zuschanden,
hinweg aus unsern Landen.
Wir stürzen ihn von Berg zu Tal,
damit er sich zu Tode fall.
Wir jagen ihn über die Heiden,
dass er den Tod muss leiden.
Wir jagen den Winter vor die Tür,
den Sommer bringen wir herfür,
den Sommer und den Maien,
die Blümlein mancherleien.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
Bei "So treiben wir den Winter aus" handelt es sich um einen faszinierenden und uralten Frühlingsbrauch, der sich tief in den deutschen Weihnachts- und Winterliederschatz eingeschlichen hat. Es ist kein klassisches Weihnachtslied im Sinne von "Stille Nacht", sondern ein sogenanntes Winteraustreib- oder Frühlingsanfanglied. Seine Unverwechselbarkeit liegt in der kraftvollen, fast kämpferischen Bildsprache, mit der der Winter personifiziert und vertrieben wird. Während andere Lieder die Geburt Christi besingen, erzählt dieses Lied von einem archaischen Volksritual, das die Sehnsucht nach Licht und Wärme in den Mittelpunkt stellt.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist der siegreiche Kampf der Gemeinschaft gegen die Kälte und Dunkelheit. Der Winter wird hier nicht als schöne Jahreszeit, sondern als feindlicher "Gegner" dargestellt, den man "zuschanden jagt", "stürzt" und aus dem Land vertreibt. Dies spiegelt die existenzielle Not unserer Vorfahren wider, für die ein langer Winter eine echte Bedrohung darstellte. Der Triumph liegt in der Ankunft von Sommer und Maien, also dem Mai, und der "Blümlein mancherleien". Es geht um die Verheißung von neuem Leben, Fruchtbarkeit und der Freude, die der Frühling mit sich bringt. Das "Wir" betont dabei die gemeinschaftliche Kraft – man vertreibt den Winter nicht allein, sondern als geschlossene Gruppe.
Kulturelle und historische Bedeutung
Das Lied hat seine Wurzeln in mittelalterlichen Bräuchen der Winter- bzw. Geisteraustreibung, die oft um die Zeit der Frühjahrstagundnachtgleiche (März) stattfanden. Es wurde mit Umzügen und Lärmritualen verbunden. Seine Aufnahme in Sammlungen von Weihnachtsliedern erklärt sich durch die thematische Passung zur Wintersonnenwende: Schon zu Weihnachten wird die Rückkehr des Lichts gefeiert, auch wenn der kalte Winter erst beginnt. Das Lied ist vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt, insbesondere in regionalen Brauchtumskreisen. Internationale Adaptionen oder direkte Übersetzungen sind weniger verbreitet, da der Text sehr spezifisch auf deutsche Volksbräuche referiert. Seine kulturelle Bedeutung liegt heute darin, ein lebendiges Zeugnis vorchristlicher Traditionen zu sein, die in der Weihnachtszeit weiterklingen.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
"So treiben wir den Winter aus" erzeugt eine energiegeladene, trotzige und zuversichtliche Stimmung. Es ist kein besinnliches oder ruhiges Lied. Die rhythmische, marschartige Struktur und die aktiven Verben wie "treiben", "jagen" und "stürzen" vermitteln Dynamik und Tatendrang. Es fühlt sich an wie ein gemeinsamer Beschluss, ein lautes Bekenntnis zur Hoffnung. Die Stimmung ist weniger innig als vielmehr kraftvoll und gemeinschaftsstiftend, fast schon ein freudiger Kampfruf gegen die Tristesse der kalten Jahreszeit.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Das Lied passt perfekt zu Momenten des Übergangs und des aktiven Feierns in der dunklen Jahreszeit. Ideal ist es für:
- Den Nikolaustag oder das Lucia-Fest als Lichterfeste.
- Rauhnachtsbräuche zwischen Weihnachten und Dreikönig.
- Gesellige Singrunden, bei denen es lebhaft zugehen darf.
- Kindergärten und Schulen, die das Thema "Jahreszeitenwechsel" behandeln.
- Den Silvesterabend, als symbolische Vertreibung des alten Jahres.
- Jedes Fest, bei dem man sich nach Frühling und Sonne sehnt.
Für wen eignet sich das Lied?
Dieses Lied spricht besonders Menschen an, die Freude an Brauchtum, Geschichte und lebendigem Gesang haben. Konkret eignet es sich hervorragend für:
- Kinder und Familien, die den actionreichen Text und die bildhafte Sprache lieben.
- Chöre und Singgruppen, die nach einem rhythmischen, ungewöhnlichen Stück für ihr Winterrepertoire suchen.
- Geschichtsinteressierte, die einen Einblick in vorweihnachtliche Bräuche erhalten möchten.
- Alle, die der Wintermüdigkeit aktiv etwas entgegensetzen wollen und ein Lied der Zuversicht suchen.
Für wen eignet sich das Lied weniger?
Weniger geeignet ist "So treiben wir den Winter aus" für dich, wenn du nach einem tiefreligiösen Weihnachtslied mit Bezug zur Christgeburt suchst. Auch für sehr intime, ruhige Momente der Besinnung ist der kämpferische Ton vielleicht fehl am Platz. Menschen, die mit der metaphorischen und etwas drastischen Sprache ("damit er sich zu Tode fall") nichts anfangen können oder die diese als befremdlich empfinden, werden mit diesem traditionellen Lied wahrscheinlich weniger Freude haben.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn die Dunkelheit und Kälte des Dezembers sich so richtig festzusetzen scheinen und du ein Gefühl der Ohnmacht dagegen verspürst. Der perfekte Moment ist an einem kalten, klaren Abend in geselliger Runde, vielleicht beim gemeinsamen Spaziergang oder beim gemütlichen Beisammensein mit Punsch. Singt es laut und mit Überzeugung – es wird sofort eine energievolle, fast rebellische Frühlingshoffnung im Raum entstehen lassen. Es ist das ideale Lied, um sich gemeinsam einzumützen und symbolisch die Kehrtwende einzuläuten: Die Tage werden jetzt wieder länger, und wir jagen die Wintertristesse hinaus!
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