Es wird wohl Winter weit und breit

Kategorie: Winterlieder

Es wird wohl Winter weit und breit
die kalten Wind wehen
die Erd' im weißen Totenkleid
kann nicht vom Schlaf erstehen
Mag weh'n und brausen Sturm und Wind
Der holde Lenz, des Himmels Kind
kommt ja zur Erde nieder
er kommt gewißlich wieder

Es steh'n wohl trauernd Au'n und Höh'n
denn ihre Kindlein sterben
Sie blüheten so frisch und schön
und müssen nun verderben
Mag Welken auch des Waldes Grün
mag auch der Blume Glanz verblüh'n
Der Lenz kommt ja hernieder
und weckt die Toten wieder

Gefesselt ruht des Bächleins Fall
und Hain und Tal verstummen
Wo bist du, süße Nachtigall
Wo tönt der Biene Summen
Mag ruhn des hellen Bächleins Fall
mag schweigen Lerch und Nachtigall
Der Lenz kommt ja hernieder
und weckt die Sänger wieder

Es wird wohl schwarze bange Nacht
wo ist der Tag geblieben
Hat ihn des Dunkels strenge Macht
vom Himmelszelt vertrieben
Laß dunkeln nur die schwarze Nacht
ein lieber Vater droben wacht
bald sendet er ja wieder
sein Morgenrot hernieder

Die Erde ruht im Totenkleid
vom starren Frost gebunden
schnell fliehen zwischen Freud und Leid
des Lebens Tag und Stunden
Mag sein! Mag schwinden Tag und Jahr
es kommt der Frühling wunderbar
nach dunkler Nacht hernieder
bald, bald erscheint er wieder

Autor: unbekannt

Kurze einleitende Zusammenfassung

"Es wird wohl Winter weit und breit" ist ein poetisches Juwel unter den deutschen Weihnachtsliedern, das sich von der typischen fröhlichen Festtagsmusik deutlich abhebt. Es ist weniger ein lauter Jubelgesang, sondern vielmehr ein besinnlicher und fast philosophischer Text, der die tiefe Symbolik des Winters mit der christlichen Hoffnung auf Erlösung verwebt. Seine Unverwechselbarkeit liegt in der kunstvollen Naturmetaphorik, die den Tod der Natur im Winter als Gleichnis für die menschliche Sehnsucht nach Licht und Wiedergeburt verwendet. Dieser Text ist ein Klassiker der stillen und nachdenklichen Adventszeit.

Inhaltliche Deutung & Botschaft

Die Kernbotschaft des Liedes ist die tröstliche Gewissheit der Wiederkehr und der Auferstehung. Jede Strophe malt ein düsteres Bild des Winters: erfrorene Erde, sterbende Blumen, verstummte Vögel und lange, dunkle Nächte. Doch auf jede dieser Klagen folgt unerschütterlich der tröstende Refrain, der den "holden Lenz" als "Himmels Kind" ankündigt, das gewiss wiederkehrt, um alles zu erwecken. Hier wird die Geburt Christi als das ultimative Versprechen gedeutet, dass auf jeden Tod, jedes Verstummen und jede Dunkelheit ein neuer Anfang folgt. Es ist eine theologische Botschaft, eingekleidet in die pure Sprache der Natur.

Kulturelle und historische Bedeutung

Das Lied hat seinen festen Platz im deutschen evangelischen Gesangbuch und wird besonders in der Adventszeit gesungen. Seine Ursprünge liegen im 19. Jahrhundert, und es spiegelt die romantische Naturfrömmigkeit wider. International ist es weniger verbreitet als andere Weihnachtsklassiker, was seinen besonderen, fast geheimen Charakter für den deutschsprachigen Raum unterstreicht. Es gibt keine prominenten populären Adaptionen in anderen Sprachen, was den originalen Text zu einem besonderen Kulturgut macht. Seine Bedeutung liegt gerade in dieser Nische: Es ist das Lied für diejenigen, die in der hektischen Vorweihnachtszeit nach Tiefe und Kontemplation suchen.

Welche Stimmung erzeugt das Lied?

Das Lied erzeugt eine sehr spezifische, zweigeteilte Stimmung. Zunächst eine Atmosphäre der Stille, der Kälte und der melancholischen Betrachtung des Vergänglichen. Man fühlt sich in eine schneeverhangene, stille Landschaft versetzt. Diese düstere Grundstimmung wird jedoch nicht zum Selbstzweck, sondern dient als Kontrastfolie für die sich durchsetzende, warme und tröstliche Gewissheit der kommenden Erlösung. Die Stimmung wandelt sich somit von nachdenklicher Trauer zu einer ruhigen, inneren und unerschütterlichen Freude und Hoffnung. Es ist eine Stimmung der geduldigen Erwartung.

Für welche Anlässe eignet sich das Lied?

Dieses Lied ist der perfekte Begleiter für die ruhigen, introvertierten Momente der Adventszeit. Es passt hervorragend:

  • Zu einer Adventsandacht oder einem Gottesdienst in der dunklen Jahreszeit.
  • Beim gemütlichen Beisammensein am Adventskranz bei Kerzenschein, wenn Gespräche verstummen.
  • Für einen Spaziergang in der winterlichen Natur, um die im Text beschriebenen Bilder direkt zu erleben.
  • Als besinnlicher musikalischer Beitrag in der Schule oder im Kindergarten, um die Symbolik von Winter und Weihnachten zu erklären.
  • Für den frühen Advent, wenn die Vorfreude noch ruhig und sehnsuchtsvoll ist.

Für wen eignet sich das Lied?

Das Lied spricht besonders erwachsene Hörer und Sänger an, die eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen und die Metaphern von Vergehen und Hoffnung verstehen und schätzen können. Ebenso eignet es sich für ältere Kinder und Jugendliche, denen man die poetische Sprache und die dahinterstehende Botschaft erklären möchte. Chöre und musikbegeisterte Gemeinden, die nach anspruchsvollen und textstarken Stücken suchen, finden hier ein lohnendes Repertoire-Stück. Es ist ein Lied für Nachdenkliche und Sinnsuchende jeder Altersgruppe.

Für wen eignet sich das Lied weniger?

Weniger geeignet ist "Es wird wohl Winter weit und breit" für Situationen, in denen es um ausgelassene, unbeschwerte Weihnachtsfreude geht. Es ist nicht das passende Lied für die Weihnachtsfeier im Büro, für laute Familienfeste mit vielen Kindern oder als Hintergrundbeschallung beim Geschenkeeinpacken. Auch sehr junge Kinder, die noch keine Geduld für lange, metaphorische Texte haben, könnten mit der düsteren Anfangsstimmung überfordert sein und den tröstlichen Höhepunkt nicht erreichen. Wer nach einem einfachen Ohrwurm sucht, wird hier nicht fündig.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Lied genau dann, wenn du eine Pause von der kommerziellen Weihnachtshektik brauchst und den eigentlichen, tiefen Kern der Adventszeit spüren möchtest. Der perfekte Moment ist ein kalter, klarer Dezemberabend. Draußen ist es schon dunkel, vielleicht liegt Schnee. Drinnen brennen nur die Kerzen des Adventskranzes. In dieser Stille entfaltet der Text seine ganze Kraft. Dann wird aus dem Singen oder Hören dieses Liedes keine bloße Unterhaltung, sondern ein kleines meditatives Ritual, das dich daran erinnert, dass das Licht gerade in der tiefsten Dunkelheit seinen Sieg feiert. Hier findest du den Liedtext in seiner vollständigen, originalen Schönheit, um genau diesen Moment zu bereichern.

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