A la venue de Noël (Wenn Weihnachten naht)
Kategorie: Französische Weihnachtslieder
A la venue de Noël
Autor: Nicolas Antoine Lebègue
Chacun se doit bien réjouir
Car c'est un testament nouvel
Que tout le monde doit tenir.
Quand par son orgueil, Lucifer
Dedans l'abîme trébucha
Nous conduisant tous en enfer
Le Fils de Dieu nous racheta.
Incontinent que Dieu fut né
L'ange l'alla dire aux pastours
Qui se prirent tous à chanter
Sonnant chevrettes et tambours.
Après un bien petit de temps
Trois rois le vinrent adorer
Portant la myrrhe avec l'encens
Et l'or qui est fort à priser.
Là, virent le doux Jésus-Christ
Et la mère qui le porta
Celui qui tout le monde fit
Et les pécheurs ressuscita.
Bien apparut qu'il nous aima
Quand à la croix pour nous fut mis
Dieu le Père qui tout créa
Nous donne à la fin Paradis.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Biografischer Kontext
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
Das Lied "A la venue de Noël" ist ein faszinierender und historisch wertvoller Weihnachtsklassiker aus dem französischen Barock. Was es so unverwechselbar macht, ist seine einzigartige Mischung aus theologischer Tiefe und erzählerischer Frische. Es ist weniger ein besinnliches Wiegenlied, sondern vielmehr eine dynamische Erzählung der gesamten Heilsgeschichte – vom Sündenfall bis zur Auferstehung –, verpackt in festliche, fast volkstümliche Verse. Diese Kombination aus lehrhaftem Inhalt und lebendiger Freude hebt es von vielen anderen traditionellen Weihnachtsliedern ab.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text und die Melodie stammen von Nicolas Antoine Lebègue und wurden im späten 17. Jahrhundert in Frankreich geschaffen. Lebègue veröffentlichte das Lied in seiner Sammlung "Noëls et cantiques spirituels pour toucher l'orgue et le clavecin" (Weihnachtslieder und geistliche Gesänge für Orgel und Cembalo), die um 1685 erschien. Es entstand in einer Zeit, in der die Tradition der "Noëls", französischer Weihnachtslieder oft mit volkstümlichen Melodien, bei Hofe und im Bürgertum äußerst beliebt war. Komponisten wie Lebègue nahmen diese einfachen Melodien und veredelten sie kunstvoll für Tasteninstrumente, wodurch eine einzigartige Verbindung aus sakraler Kunstmusik und populärer Festfreude entstand.
Biografischer Kontext
Nicolas Antoine Lebègue (ca. 1631 – 1702) war ein bedeutender französischer Organist, Cembalist und Komponist des Barock. Er bekleidete prestigeträchtige Ämter als Organist an der Pariser Kirche Saint-Merri und war einer der "Organistes du Roi" (Organisten des Königs) für Ludwig XIV. an der Chapelle Royale. Lebègue gilt als wichtiger Vertreter der französischen Orgelschule. Sein besonderes Verdienst liegt in der Pflege und künstlerischen Weiterentwicklung der "Noël"-Tradition. Er war maßgeblich daran beteiligt, diese ursprünglich mündlich überlieferten Weihnachtsweisen in die gehobene Instrumentalmusik zu integrieren und ihnen so dauerhaften Platz im musikalischen Erbe zu sichern.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist die umfassende Freude über die Erlösung der Menschheit durch Jesus Christus. Es beginnt nicht direkt mit der Krippe, sondern setzt den Sündenfall Lucifers und den Verlust des Paradieses als Ausgangspunkt. Dadurch wird die Geburt Christi von Anfang an als entscheidender Akt der Rettung und des Neuanfangs ("testament nouvel") verstanden. Das Lied führt dich dann chronologisch durch die Weihnachtsgeschichte: die Verkündigung an die Hirten, den Besuch der Heiligen Drei Könige und verweist bereits auf das spätere Opfer am Kreuz und die Auferstehung. Die Botschaft ist klar und tröstlich: Gottes Liebe ist so groß, dass er seinen Sohn sendet, um die Sünder zu erretten und den Weg zum Paradies wieder zu öffnen.
Kulturelle und historische Bedeutung
In der internationalen Weihnachtskultur stellt "A la venue de Noël" ein wertvolles Zeugnis der französischen Barockmusik dar. Es ist ein herausragendes Beispiel für die kunstvolle "Noël"-Kultur, die in Deutschland in dieser Form weniger verbreitet war. Die deutsche Übersetzung "Wenn Weihnachten naht" macht den Text und seine theologische Dichte einem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Das Lied wird heute vor allem in konzertanten Aufführungen alter Musik, in Gottesdiensten mit historischem Schwerpunkt oder von ambitionierten Chören gepflegt. Es ist weniger ein allgemeines Volkslied, sondern ein kostbares Juwel für Liebhaber geistlicher Musik und historischer Aufführungspraxis.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
Das Lied erzeugt eine besondere, vielschichtige Stimmung. Es ist durchdrungen von einer feierlichen und triumphierenden Freude, die jedoch nicht leichtfertig, sondern dankbar und fundiert wirkt. Die Erwähnung von "Chevrettes" (Drehleiern) und "tambours" (Trommeln) in der Strophe über die Hirten verleiht der Musik im Geiste einen rustikal-festlichen Charakter. Gleichzeitig sorgt der theologische Rahmen für eine tiefe Ernsthaftigkeit und Würde. Insgesamt vermittelt es das Gefühl eines gut begründeten, unerschütterlichen Festes: Man freut sich nicht nur über das Kind in der Krippe, sondern über den Sieg des Lichts über die Dunkelheit der gesamten Heilsgeschichte.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Dieses Lied eignet sich perfekt für Momente, in denen du die Weihnachtszeit in ihrer ganzen theologischen Tiefe erleben möchtest. Es passt hervorragend zum Weihnachtsgottesdienst am Heiligen Abend oder am Christtag, besonders in liturgisch traditionell ausgerichteten Gemeinden. Auch im Rahmen eines Advents- oder Weihnachtskonzerts mit alter Musik kommt es ideal zur Geltung. Für dich zu Hause bietet es sich an, wenn du eine stimmungsvolle und zugleich anspruchsvolle musikalische Untermalung für einen stillen, reflektierenden Abend in der Adventszeit suchst, vielleicht beim Lesen der biblischen Weihnachtsgeschichte.
Für wen eignet sich das Lied?
Das Lied spricht in erster Linie erwachsene Hörer an, die ein Interesse an historischer Musik, Theologie oder kultureller Tradition haben. Es eignet sich für Menschen, die über die üblichen Weihnachtsklassiker hinausblicken und die Festzeit mit einem Stück Musikgeschichte bereichern wollen. Auch kirchlich engagierte Personen oder Mitglieder von Kammerchören, die nach anspruchsvollem und weniger bekanntem Repertoire suchen, werden hier fündig. Durch seine erzählerische Klarheit kann es auch Jugendlichen oder älteren Kindern in einem entsprechenden Rahmen (z.B. im Musik- oder Religionsunterricht) die Weihnachtsgeschichte auf eine neue Art nahebringen.
Für wen eignet sich das Lied weniger?
Weniger geeignet ist "A la venue de Noël" für Situationen, in denen es um unbeschwerte, spontane Weihnachtsfreude geht, etwa beim gemeinsamen, lockeren Singen mit kleinen Kindern oder beim Weihnachtsmarktbesuch. Menschen, die ausschließlich nach eingängigen, modernen Weihnachtsmelodien suchen oder mit barocker Musiksprache wenig anfangen können, werden den besonderen Reiz des Stücks vielleicht nicht sofort erfassen. Auch für sehr kurze oder rein stimmungsorientierte musikalische Einspielungen ohne Tiefgang ist es aufgrund seiner Länge und inhaltlichen Dichte weniger die erste Wahl.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn du Weihnachten einmal von seiner ursprünglichen, kraftvollen und dogmatischen Seite her verstehen und feiern möchtest. Der perfekte Moment ist ein ruhiger Abend in der späten Adventszeit, vielleicht am vierten Advent, wenn die Vorfreude ihren Höhepunkt erreicht hat. Stelle dir eine Aufnahme mit historischen Instrumenten wie der Orgel oder dem Cembalo ein, lehne dich zurück und lass dich von Lebègues Musik durch die gesamte Weihnachtsgeschichte führen. Es ist das ideale Lied, um innezuhalten und sich den ganzen kosmischen und erlösenden Hintergrund des Festes vor Augen zu führen, bevor die hektische Freude des Heiligen Abends beginnt. Hier findest du nicht nur einen Text, sondern ein ganzes theologisches Kleinod zum Hören und Meditieren.
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