Quem pastores laudavere (Den die Hirten lobeten sehre)
Kategorie: Lateinische Weihnachtslieder
Quem pastores laudavere,
Autor: unbekannt
Quibus angeli dixere:
'Absit vobis jam timere',
Natus est,
Rex gloriae.
Nunc angelorum gloria hominibus
Resplenduit in mundo,
Novi partus gaudia
virgo Mater produxit,
Et Sol verus
in tenebris illuxit;
Christus,
natus hodie ex virgine,
Sine virili semine
est natus Rex,
Ad quem magi ambulabant;
Aurum, thus, myrrham portabant,
Immolabant haec sincere
Leoni victoriae.
Culpae datur hodie
remissio;
Laetetur homo reus.
Lux de caelo claruit
pace
jam reparata,
Et genitrix permansit illibata.
Christo
Regi Deo nato,
Per Mariam nobis dato,
Merito resonet vere
Laus, honor et gloria.
Magnum nomen Domini,
Emanuel,
Quod est: nobiscum Deus,
Redemptori Domino
redempti jubilemus;
Hic est dies et annus jubilaeus.
Pueri, concinnite et psallite,
Voce pia
dicite et plaudite.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied
- Für welche Anlässe bzw. für welche Momente
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe
- Für wen eignet sich das Lied weniger
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
Quem pastores laudavere ist ein wahrer Schatz unter den mittelalterlichen Weihnachtshymnen und zählt zu den ältesten überlieferten Gesängen zur Geburt Christi. Seine Unverwechselbarkeit liegt in der faszinierenden Mischung aus lateinischem Ursprungstext und seiner volkssprachlichen, hier frühneuhochdeutschen, Einbettung ("Den die Hirten lobeten sehre"). Das Lied verbindet auf einzigartige Weise die feierliche Sprache der Gelehrten mit der unmittelbaren Freude des Weihnachtsgeschehens. Es ist kein einfacher Popsong, sondern ein kunstvoll gewobenes poetisches Gebilde, das die ganze Weihnachtsgeschichte von den Hirten über die Jungfrauengeburt bis zu den Weisen aus dem Morgenland erzählt.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft dieses Liedes ist die universelle und befreiende Freude über die Menschwerdung Gottes. Es geht weit über die reine Geburtsankündigung hinaus. Der Text preist Christus als den "wahren Sohn", der das Licht in die Dunkelheit bringt ("Et Sol verus in tenebris illuxit"). Bemerkenswert ist die theologische Tiefe: Es wird die jungfräuliche Geburt betont ("Sine virili semine"), die Wiederherstellung des Friedens ("pace jam reparata") und die Vergebung der Sünden ("Culpae datur hodie remissio") als direkte Folge der Geburt genannt. Die Botschaft lautet: Weil dieser König geboren ist, darf der schuldige Mensch ("homo reus") jubeln und muss sich nicht mehr fürchten. Es ist ein Lied der Erlösung und des Triumphs ("Leoni victoriae").
Kulturelle und historische Bedeutung
Dieser Gesang stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert und war besonders im süddeutschen und österreichischen Raum verbreitet. Seine historische Bedeutung ist enorm, da es sich um eines der wenigen Lieder handelt, die den Übergang vom rein lateinischen Kirchengesang zum mehrsprachigen Gemeindelied dokumentieren. International bekannt ist die Melodie vor allem durch die berühmte Instrumentalfassung von Michael Praetorius aus dem Jahr 1609. Während der lateinische Text in vielen europäischen Ländern gesungen wird, ist die spezifische deutsche Fassung "Den die Hirten lobeten sehre" ein fester, wenn auch nicht alltäglicher, Bestandteil des deutschen kirchenmusikalischen Erbes, das oft von Chören oder in Gottesdiensten mit historischem Bezug gepflegt wird.
Welche Stimmung erzeugt das Lied
Das Lied erzeugt eine ganz besondere, vielschichtige Stimmung. Es ist nicht einfach nur fröhlich oder besinnlich. Die lateinischen Zeilen und die kunstvolle Melodie verleihen ihm eine würdevolle, fast majestätische Feierlichkeit. Gleichzeitig transportieren Textstellen wie "Natus est Rex gloriae" oder "Pueri, concinnite et psallite" eine unübersehbare, triumphierende Freude. Es ist eine stille, tiefgründige und doch siegesgewisse Freude, die Ehrfurcht und Jubel in Einklang bringt. Die Stimmung ist weniger privat und innig, sondern eher gemeindlich und festlich, als würde eine ganze Gemeinde oder der Himmel selbst die großartige Nachricht verkünden.
Für welche Anlässe bzw. für welche Momente der Adventszeit eignet sich das Lied besonders
Dieses Lied eignet sich perfekt für Momente, die über das rein Familiäre hinausgehen und den feierlich-kirchlichen Charakter von Weihnachten betonen wollen. Ideal ist es für:
- Den Weihnachtsgottesdienst, besonders zur Eröffnung oder während der Kommunion.
- Advents- oder Weihnachtskonzerte mit historischer Programmgestaltung.
- Den Heiligen Abend, wenn man eine musikalische Brücke zwischen der hektischen Vorbereitung und der stillen Feier schlagen möchte.
- Den Weihnachtstag selbst, um die tiefere theologische Bedeutung des Festes in den Mittelpunkt zu rücken.
- Stille Momente der persönlichen Vorbereitung für Menschen, die sich mit der historischen und geistlichen Tiefe des Festes verbinden wollen.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Lied
Primär spricht dieses Lied erwachsene Hörer und Sänger an, die ein Interesse an Geschichte, Kirchenmusik oder theologischen Texten haben. Es ist ideal für Kirchenchöre, Vokalensembles oder musikalisch gebildete Laien, die die Herausforderung des Lateins und der mehrstimmigen Sätze schätzen. Auch für neugierige Jugendliche, die in der Schule Latein lernen, kann es ein spannendes Projekt sein, den Text zu entschlüsseln und so einen ganz neuen Zugang zu Weihnachten zu finden. Grundsätzlich eignet es sich für alle, die nach einer Alternative zu den alljährlichen Radio-Weihnachtshits suchen und in die Tiefe gehen möchten.
Für wen eignet sich das Lied weniger
Weniger geeignet ist "Quem pastores laudavere" für Situationen, in denen es um unbeschwerte, einfache Weihnachtsfreude geht. Es passt nicht ideal zur reinen Kinderbescherung oder als Hintergrundbeschallung beim Plätzchenbacken. Menschen, die keinen Bezug zur christlichen Tradition haben oder ausschließlich moderne, eingängige Melodien mögen, könnten mit dem altertümlichen Klang und der fremden Sprache wenig anfangen. Auch für spontanes gemeinsames Singen in der Familie ist es aufgrund der sprachlichen und melodischen Komplexität eher ungeeignet, es sei denn, die Familie hat einen entsprechenden musikalischen Hintergrund.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn du Weihnachten in seiner ganzen historischen und feierlichen Tiefe erleben willst. Der perfekte Moment ist der frühe Morgen des ersten Weihnachtstages, wenn die Hektik vorbei ist und die Stille eingekehrt ist. Stelle dir vor, wie das Sonnenlicht durch ein Kirchenfenster fällt und ein Chor diese alten, triumphierenden Worte anstimmt. Oder schließe zu Hause die Augen und lasse dich von einer Aufnahme mit historischen Instrumenten tragen. In diesem Moment wird Weihnachten nicht nur als gemütliches Fest, sondern als weltgeschichtliches Ereignis spürbar. "Quem pastores" ist die beste Wahl, um diese dimensionale Tiefe des Festes musikalisch zu erfassen und dich an die uralten Wurzeln unserer Weihnachtsfreude erinnern zu lassen.
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