Freuet euch, ihr Christen alle

Kategorie: Christliche Weihnachtslieder

Freuet euch, ihr Christen alle,
freue sich, wer immer kann;
Gott hat viel an uns getan.
Freuet euch mit großem Schalle,
dass er uns so hoch geacht'
sich mit uns befreundt gemacht.
Freude, Freude über Freude:
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne:
Christus ist die Gnadensonne.

Siehe, siehe, meine Seele,
wie dein Heiland kommt zu dir,
brennt in Liebe für und für,
dass er in der Krippen Höhle
harte lieget dir zugut,
dich zu lösen durch sein Blut.
Freude, Freude über Freude:
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne:
Christus ist die Gnadensonne.

Jesus, wie soll ich dir danken?
Ich bekenne, dass von dir meine Seligkeit herrühr;
so laß mich von dir nicht wanken;
nimm mich dir zu eigen hin,
so empfindet Herz und Sinn
Freude, Freude über Freude:
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne:
Christus ist die Gnadensonne.

Jesus, nimm dich deiner Glieder
ferner noch in Gnaden an;
schenke, was man bitten kann,
zu erquicken deine Brüder;
gib der ganzen Christenschar
Frieden und ein seligs Jahr.
Freude, Freude über Freude:
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne:
Christus ist die Gnadensonne.

Autor: Christian Keimann

Kurze einleitende Zusammenfassung

"Freuet euch, ihr Christen alle" ist ein kraftvoller und theologisch tiefgründiger Weihnachtsklassiker aus dem 17. Jahrhundert. Was dieses Lied so unverwechselbar macht, ist sein jubelnder, fast triumphaler Grundton, der weit über die besinnliche Stille der Krippe hinausgeht. Es ist weniger ein Wiegenlied und mehr ein froher Siegesgesang, der die Geburt Christi als entscheidenden Wendepunkt im Kampf gegen Leid und Sünde feiert. Der eingängige Refrain mit seinem parallelen Aufbau "Freude, Freude über Freude" und "Wonne, Wonne über Wonne" prägt sich sofort ein und verleiht dem Lied eine mitreißende, festliche Energie.

Historie & Entstehungsgeschichte

Der Text des Liedes stammt von dem evangelischen Pfarrer und Dichter Christian Keimann. Er verfasste es im Jahr 1646, also mitten in den verheerenden Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Diese Entstehungszeit ist entscheidend für das Verständnis des Liedes. In einer Epoche, die von Gewalt, Not und Verzweiflung geprägt war, schuf Keimann einen Text, der bewusst und kraftvoll gegen die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit anschreibt. Die heute geläufige Melodie ist jünger. Sie wurde erst 1704 von dem sächsischen Kantor und Komponisten Johann Ulich veröffentlicht und hat sich aufgrund ihrer eingängigen und feierlichen Art durchgesetzt. Es ist also ein Lied, das aus der tiefsten Krise heraus einen unerschütterlichen Glauben besingt.

Biografischer Kontext

Christian Keimann (1607-1662) war ein bedeutender Vertreter der evangelischen Kirchenlieddichtung im Barock. Als Rektor des Gymnasiums in Zittau und später als Pfarrer erlebte er die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hautnah mit. Seine Lieder zeichnen sich durch eine klare, volksnahe Sprache und eine starke biblische Fundierung aus. Er verstand es, komplexe theologische Gedanken in eine Form zu gießen, die für die Gemeinde leicht verständlich und singbar war. In einer Zeit, in der viele fromme Texte sehr subjektiv und innig waren, behielt Keimann oft einen objektiveren, lehrhaften und gemeinschaftsstiftenden Ton bei, was "Freuet euch, ihr Christen alle" perfekt widerspiegelt. Sein Werk steht damit in der Tradition von Paul Gerhardt und beeinflusste spätere Generationen.

Inhaltliche Deutung & Botschaft

Die Kernbotschaft des Liedes ist die transformative Freude über die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Es geht nicht primär um das niedliche Kind in der Krippe, sondern um die kosmische Bedeutung dieses Ereignisses: Gott schätzt den Menschen so hoch, dass er sich mit ihm "befreundet macht". Christus wird als aktiver Retter dargestellt, der "allem Leide wehrt" und als "Gnadensonne" das Licht der göttlichen Barmherzigkeit in die Welt bringt. Die Strophen führen dich von einem allgemeinen Aufruf zum Jubeln (Strophe 1) über die Betrachtung des Geschehens in Bethlehem (Strophe 2) hin zu persönlicher Dankbarkeit (Strophe 3) und einem Gebet für die gesamte Christenheit (Strophe 4). Es ist ein vollständiger Gedankengang von der Heilstatsache bis zur persönlichen und gemeinschaftlichen Anwendung.

Kulturelle und historische Bedeutung

Das Lied hat einen festen Platz im evangelischen Gesangbuch (EG 34) und wird vor allem in deutschsprachigen Ländern regelmäßig im Weihnachtsgottesdienst gesungen. Seine Bedeutung liegt in seiner theologischen Tiefe und seinem historischen Zeugnis. Es erinnert daran, dass die Weihnachtsbotschaft auch in dunkelsten Zeiten Grund zur Freude geben kann. Internationale Übersetzungen oder Adaptionen sind im Vergleich zu Liedern wie "Stille Nacht" weniger verbreitet, was seinen Charakter als spezifisch deutschsprachigen, protestantischen Weihnachtsklassiker unterstreicht. Es ist ein Lied, das die Weihnachtsfreude mit einer gewissen Festigkeit und Glaubensgewissheit verbindet.

Welche Stimmung erzeugt das Lied?

"Freuet euch, ihr Christen alle" erzeugt eine bewegende, kraftvolle und siegesgewisse Stimmung. Es ist kein Lied der stillen Andacht, sondern eines, das zum lauten, gemeinsamen Singen einlädt. Die wiederholten Aufrufe "Freuet euch" und der steigernde Refrain wirken wie ein emotionaler und spiritueller Antrieb. Die Melodie von Ulich unterstützt dies durch ihren klaren, fast marschartigen Rhythmus und ihre hellen, freudigen Intervalle. Es ist die Stimmung eines Festes, bei dem man sich der Sache absolut sicher ist: Christus ist da, das Leid ist besiegt, also kann und muss die Freude laut und deutlich werden.

Für welche Anlässe eignet sich das Lied?

Dieses Lied eignet sich perfekt für den Weihnachtsgottesdienst am Morgen des 25. Dezembers, wo es als festlicher Eröffnungs- oder Schlussgesang die österliche Dimension von Weihnachten unterstreicht. Es passt hervorragend in Advents- oder Weihnachtskonzerte, besonders als kräftiger, gemeinschaftlicher Chorsatz. Auch beim familiären oder gemeindlichen Weihnachtssingen zu Hause, vielleicht nach der Bescherung, kann es einen schönen, aktiven und dankbaren Akzent setzen. Es ist weniger ein Lied für die stille Besinnlichkeit am Heiligen Abend, sondern mehr für den hellen, freudigen Weihnachtstag selbst.

Für wen eignet sich das Lied?

Das Lied spricht besonders erwachsene Sänger und Sängerinnen an, die einen theologisch anspruchsvollen Text zu schätzen wissen. Durch seinen eingängigen Refrain ist es aber auch für ältere Kinder und Jugendliche gut zugänglich, sofern der historische Sprachschatz kurz erklärt wird. Chöre lieben das Lied für seine klare Struktur und seine kraftvolle Aussage. Ideal ist es für Menschen, die eine Weihnachtsfeierlichkeit suchen, die über reine Gemütlichkeit hinausgeht und die tiefere Glaubensgewissheit in den Vordergrund stellt.

Für wen eignet sich das Lied weniger?

Für sehr kleine Kinder ist der Text aufgrund veralteter Wörter wie "Gnadensonne" oder "dir zugut" schwer verständlich. Wer in der Weihnachtszeit ausschließlich nach ruhigen, besinnlichen und intimen Krippenliedern sucht, könnte die festliche und fast kämpferische Note dieses Liedes als zu dominant empfinden. Auch für rein weltliche Weihnachtsfeiern ohne christlichen Bezug ist der Text mit seiner expliziten Christologie und Blutstheologie ("dich zu lösen durch sein Blut") nicht passend.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Lied genau dann, wenn du das Weihnachtsfest in seiner ganzen triumphalen Bedeutung feiern möchtest. Der perfekte Moment ist, wenn die Bescherung vorbei ist, die Kerzen brennen und in dir nicht nur Zufriedenheit, sondern eine tiefe, dankbare Freude aufsteigt. Singe es, wenn du spürst, dass Weihnachten mehr ist als Nostalgie, nämlich ein Grund zum Jubeln, der selbst durch persönliche oder weltweite Schwierigkeiten trägt. Es ist das Lied für den Weihnachtstag, an dem du mit anderen zusammen laut und überzeugt bekennen willst: Diese Freude ist real, sie ist überwältigend, und sie gilt uns allen. Lass den Schall groß sein.

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