Empor zu Gott, mein Lobgesang!
Kategorie: Christliche Weihnachtslieder
Empor zu Gott, mein Lobgesang!
Autor: Friedrich Adolf Krummacher
Er, dem das Lied der Engel klang,
der hohe Freudentag ist da,
lobsingen ihm, halleluja!
Vom Himmel kam in dunkler Nacht,
der uns das Lebenslicht gebracht.
Nun leuchtet uns ein milder Strahl
wie Morgenrot im dunklen Tal.
Er kam, des Vaters Ebenbild,
von schlichtem Pilgerkleid umhüllt,
und führet uns mit sanfter Hand,
ein treuer Hirt, ins Vaterland.
Er, der jetzt bei dem Vater thront,
hat unter uns ein Mensch gewohnt,
damit auch wir ihm werden gleich
auf Erden und im Himmelreich.
Empor zu Gott, mein Lobgesang!
Er, seine Brüder, auch hinan,
und wandelt unser Pilgerkleid
in Sternenglanz und Herrlichkeit.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Biografischer Kontext
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied
- Für welche Anlässe
- Für wen eignet sich das Lied
- Für wen eignet es sich weniger
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
"Empor zu Gott, mein Lobgesang!" ist ein weniger bekannter, aber theologisch tiefgründiger Weihnachtsklassiker aus dem 19. Jahrhundert. Was dieses Lied so unverwechselbar macht, ist seine besondere Perspektive: Es beginnt nicht bei der Krippe, sondern beim Lobpreis. Der Text führt dich von der anbetenden Freude über die Menschwerdung Christi direkt zu deren kosmischer Konsequenz – der Verwandlung des irdischen Lebens in himmlische Herrlichkeit. Es ist weniger ein erzählendes Wiegenlied als vielmehr ein hymnischer Glaubensbekenntnis.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text stammt von dem protestantischen Theologen und Schriftsteller Friedrich Adolf Krummacher. Er wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfasst, als Krummacher als Pfarrer und später als Universitätsprofessor in Deutschland wirkte. Die heute geläufige Melodie ist nicht originär für diesen Text komponiert worden. Es handelt sich um eine klassische Kontrafaktur; der Text wird auf die bekannte und würdige Melodie des Chorals "Nun danket all und bringet Ehr" gesungen, die ihrerseits auf eine ältere Melodie von Johann Crüger zurückgeht. Diese Praxis, neue geistliche Texte auf bewährte Weisen zu singen, war zu Krummachers Zeit weit verbreitet und sorgte für eine schnelle Verbreitung des Liedes in kirchlichen Kreisen.
Biografischer Kontext
Friedrich Adolf Krummacher (1767-1845) war eine prägende Gestalt des rheinischen Pietismus und der Erweckungsbewegung. Er war nicht nur Pfarrer, sondern auch Professor für Theologie in Duisburg und Bonn und ein äußerst produktiver Schriftsteller. Seine Parabeln und geistlichen Schriften waren im 19. Jahrhundert außerordentlich populär und wurden in viele Sprachen übersetzt. Sein Liedschaffen, zu dem auch "Empor zu Gott, mein Lobgesang!" zählt, steht ganz im Dienst seiner theologischen Überzeugung: einer persönlichen, gefühlsbetonten und zugleich dogmatisch klaren Frömmigkeit. Sein Einfluss auf die protestantische Kirchenlieddichtung seiner Zeit ist nicht zu unterschätzen.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist die umfassende Heilsgeschichte, verdichtet im Weihnachtswunder. Es beginnt mit dem jubelnden Aufruf zum Lob ("Empor zu Gott!") und verbindet dann geschickt die zentralen christologischen Motive: Christus als das vom Himmel gekommene "Lebenslicht", als "Ebenbild" des Vaters in menschlicher Hülle ("Pilgerkleid") und als der "treue Hirt", der die Gläubigen führt. Der geniale Clou liegt in der finalen Strophe: Das irdische "Pilgerkleid", das Christus trug und das auch Symbol für unser vergängliches Leben ist, wird am Ende in "Sternenglanz und Herrlichkeit" verwandelt. Weihnachten erscheint so als Beginn der Verklärung der gesamten Schöpfung.
Kulturelle und historische Bedeutung
In der deutschen Weihnachtskultur nimmt dieses Lied eine Nische ein. Es ist kein volkstümliches Lied für den häuslichen Kreis, sondern ein festliches Gemeindelied für den Gottesdienst, insbesondere für den Weihnachtstag selbst. Seine Verbreitung beschränkte sich lange auf Gesangbücher protestantischer, oft erwecklicher Prägung. Internationale Übersetzungen oder Adaptionen sind kaum bekannt, was seinen Charakter als spezifisch deutsch-theologisches Lied unterstreicht. Für Liebhaber der Kirchenliedtradition ist es jedoch ein wertvoller Schatz, der die Tiefe des Weihnachtsfestes jenseits von "Stille Nacht" auslotet.
Welche Stimmung erzeugt das Lied
"Empor zu Gott, mein Lobgesang!" erzeugt eine feierliche, nachdenkliche und zugleich triumphale Stimmung. Die getragene, klassische Choralmelodie verleiht ihm Würde und Tiefe. Der Text weckt kein sentimentales, sondern ein staunendes und dankbares Gefühl. Es ist die Stimmung des frommen Ergriffenseins angesichts des großen Geheimnisses der Menschwerdung Gottes und der sicheren Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit, die daraus erwächst. Man fühlt sich weniger in einen Stall versetzt als vielmehr in einen festlich geschmückten Kirchenraum, wo Gemeinde und Engelchöre im Lob vereint sind.
Für welche Anlässe
Dieses Lied eignet sich hervorragend für den Weihnachtsgottesdienst am Morgen des 25. Dezembers, wo es als festlicher Eingangs- oder Schlussgesang fungieren kann. Ebenso passt es in Advents- oder Weihnachtskonzerte mit geistlichem Schwerpunkt. In der häuslichen Feier findet es seinen Platz, wenn du einen Moment der besinnlichen Andacht einbauen möchtest, vielleicht nach der Bescherung oder am Weihnachtsmorgen. Es ist ein Lied für den Höhepunkt der Festzeit, nicht für die vorbereitende Adventsstimmung.
Für wen eignet sich das Lied
Das Lied spricht besonders erwachsene Sänger an, die einen theologisch anspruchsvollen Text zu schätzen wissen. Es eignet sich für Kirchengemeinden, die ihre traditionelle Liedkultur pflegen, und für Chöre, die nach ausdrucksstarken, mehrstimmig satzfähigen Weihnachtsliedern suchen. Auch für dich persönlich, wenn du dich in die spirituelle Tiefe des Festes vertiefen möchtest, bietet dieser Text reichhaltigen Stoff zum Nachdenken und Meditieren.
Für wen eignet es sich weniger
Für kleine Kinder ist der Text aufgrund seiner abstrakten und bildhaften Sprache schwer zugänglich. Wer eine lockere, fröhliche oder rein erzählende Weihnachtsfeier plant, für den könnte der hymnische und dogmatische Charakter des Liedes zu schwer und zu feierlich wirken. Auch für Menschen ohne kirchlichen oder theologischen Hintergrund könnten Begriffe wie "Ebenbild", "Pilgerkleid" oder die Vorstellung der Vergöttlichung ("damit auch wir ihm werden gleich") zunächst befremdlich sein.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn du den Weihnachtstag mit einem Moment des feierlichen und tiefsinnigen Lobes krönen möchtest. Der perfekte Moment ist, wenn die Geschenke ausgepackt sind, die erste Festfreude sich gelegt hat und Raum für stille Dankbarkeit entsteht. Singe oder lies es in einem Kreis von Menschen, die bereit sind, über die niedliche Krippenszene hinauszudenken. Lass dich von Krummachers Worten in die weite Perspektive der christlichen Hoffnung ziehen: Dass das Licht von Bethlehem nicht nur die Nacht erhellt, sondern am Ende alles in himmlischen Glanz verwandelt. In diesem Moment wird "Empor zu Gott, mein Lobgesang!" zu einem unvergesslichen Höhepunkt deiner Weihnachtsfeier.
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