A A A, das Kindlein lieget da

Kategorie: Bayerische Weihnachtslieder

A A A, das Kindlein lieget da
Es lieget da ganz nackt und bloß
es weinet in der Mutter Schoß
A A A, das Kindlein lieget da

E E E, nach Bethlehem ich geh
Willst du nicht auch das Kind verehrn?
Ja, ja von Herzen tu ich´´ s gern.
E E E, nach Bethlehem ich geh

I I I, von Herzen kränkt es mi
daß es im Stall muß liegen
die Krippe ist sein Wiegen
I I I, von Herzen kränkt es mi

O O O, wie wär ich doch so froh
wenn mein Häusel zu Bethle´m stund
daß ich dem Kindlein dienen kunnt´
O O O, wie wär ich doch so froh

U U U, das Ochslein schreiet muh
Öchselein und Eselein
Gott schütze uns das Kinderlein
U U U, das Ochslein schreiet muh

Autor: unbekannt

Kurze einleitende Zusammenfassung

"A A A, das Kindlein lieget da" ist ein echter, aber oft übersehener Schatz unter den deutschen Weihnachtsliedern. Was dieses Lied sofort unverwechselbar macht, ist seine einprägsame Struktur: Jede Strophe beginnt und endet mit einem langgezogenen Vokal, der sich durch das gesamte Alphabet von A bis U arbeitet. Es ist weniger ein pompöser Choral, sondern vielmehr ein volksnahes, erzählendes Gedicht, das die Weihnachtsgeschichte aus einer sehr persönlichen und einfühlsamen Perspektive schildert. Dieser besondere Aufbau macht es zu einem einprägsamen und für viele sehr berührenden Stück.

Inhaltliche Deutung & Botschaft

Die Kernbotschaft des Liedes liegt in seiner einfachen, unmittelbaren Anteilnahme. Es geht nicht primär um theologische Lehre, sondern um das menschliche Mitgefühl mit dem neugeborenen Jesuskind. Der Sänger beobachtet das "nackte und bloße", weinende Kind, empfindet Mitleid ("von Herzen kränkt es mi") und wünscht sich, ihm direkt dienen zu können. Die Botschaft ist eine Einladung zur emotionalen Hinwendung. Sie fragt uns: "Willst du nicht auch das Kind verehrn?" und zeigt, dass wahre Verehrung aus einem herzlichen, tatkräftigen Mitfühlen erwächst, selbst wenn man nur wie der Ochse im Stall anwesend sein kann.

Kulturelle und historische Bedeutung

Dieses Lied hat seine Wurzeln tief in der alemannischen und bayerisch-österreichischen Volksfrömmigkeit. Es ist ein klassisches Beispiel für ein Weihnachtswiegenlied, das oft in familiären oder dörflichen Kreisen gesungen wurde. International ist es weniger verbreitet als "Stille Nacht", doch innerhalb des deutschsprachigen Raums, besonders im südlichen Bereich, hat es einen festen Platz in regionalen Gesangbüchern und Sammlungen. Übersetzungen oder direkte Adaptionen in andere Sprachen sind selten, was seinen Charakter als ein spezifisch deutschsprachiges Kulturgut unterstreicht. Seine Erhaltung ist der mündlichen Überlieferung und regionalen Brauchtumspflege zu verdanken.

Welche Stimmung erzeugt das Lied

Das Lied erzeugt eine intime, fast zärtliche und nachdenkliche Stimmung. Durch den wiederholten Vokalruf am Anfang jeder Strophe entsteht ein meditativer, wiegender Rhythmus, der zum Innehalten einlädt. Die Schilderung der Armut im Stall weckt keine Weihnachtsheiterkeit, sondern ein Gefühl der Bescheidenheit und des echten Mitleids. Diese leise Melancholie wandelt sich jedoch in der vorletzten Strophe in einen Wunsch nach hingebungsvoller Freude ("wie wär ich doch so froh"). Die abschließende Strophe mit dem "U" des Ochsen bringt eine Note der behütenden Geborgenheit und schlichten Treue, die das Lied warm und nahbar abschließt.

Für welche Anlässe bzw. für welche Momente der Adventszeit eignet sich das Lied besonders

Es eignet sich perfekt für ruhige, besinnliche Zusammenkünfte. Denkbar ist sein Einsatz beim gemeinsamen Basteln oder Backen in der Familie, als Lied im kleinen Morgenkreis im Kindergarten oder in der Grundschule, oder als besinnlicher Beitrag in einer Adventsandacht. Es passt hervorragend in die Zeit vor dem Heiligen Abend, also in die Adventszeit im engeren Sinn, da es die Vorfreude und das Mitempfinden für die kommende Weihnachtsgeschichte schult. Es ist weniger ein Lied für das festliche Weihnachtsessen, sondern vielmehr für die stillen Vorbereitungsstunden.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Lied

Besonders ansprechend ist dieses Lied für jüngere Kinder im Kindergarten- und frühen Grundschulalter. Der einfache, sich wiederholende Aufbau mit den Vokalen ist für sie leicht zu merken und macht großen Spaß beim Singen. Die bildhafte Sprache (das weinende Kind, Ochs und Esel) spricht ihre Fantasie direkt an. Aber auch Erwachsene, die eine tiefere, weniger kommerzielle Verbindung zum Weihnachtsfest suchen, schätzen die schlichte Ehrlichkeit und emotionale Tiefe dieses oft unterschätzten Liedes.

Für wen eignet sich das Lied weniger

Wer nach einem mitreißenden, festlichen und fröhlichen Weihnachtschor sucht, um eine große Party oder eine feierliche Messe zu gestalten, wird mit "A A A, das Kindlein lieget da" wahrscheinlich nicht glücklich. Seine Stimmung ist zu intim und nachdenklich für laute Feiern. Auch für sehr kleine Kinder unter drei Jahren könnte der Text mit der Schilderung des weinenden, hilflosen Kindes vielleicht beunruhigend wirken, statt besinnlich. Gruppen, die nur die allerbekanntesten Weihnachtshits singen möchten, könnten mit diesem regional geprägten Lied wenig anfangen.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Lied genau dann, wenn du eine Pause von der hektischen Vorweihnachtszeit brauchst und eine echte, emotionale Verbindung zur Kernbotschaft von Weihnachten herstellen möchtest. Der perfekte Moment ist an einem dunklen Adventsnachmittag, wenn vielleicht nur eine Kerze brennt, du mit deiner Familie oder guten Freunden beisammen bist und ihr gemeinsam singt. Es ist das ideale Lied, um inne zu halten, sich auf das Wesentliche zu besinnen und die Weihnachtsgeschichte nicht nur zu erzählen, sondern sie mit dem Herzen zu spüren. In diesem Moment wird aus einem alten Text ein ganz persönliches Weihnachtserlebnis.

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