Es wird scho glei dumpa
Kategorie: Bayerische Weihnachtslieder
Es wird scho glei dumpa,
Autor: Anton Reidinger
es wird scho glei Nacht,
drum kimm i zu dir her,
mei Heiland auf d'Wacht.
Will singa a Liadl,
dem Liebling dem kloan,
du mogst ja net schlafa,
I hear di scho woan.
Hei, hei hei hei,
schlaf siaß, herzliabs Kind!
Vergiß jetzt, o Kinderl,
dein Kumma, dei Load,
daß du da mußt leidn
im Stall auf da Hoad.
Es ziem ja die Engerl
dei Liagerstatt aus,
möcht schöner nit sei drin
an König sei Haus.
Hei, hei hei hei,
schlaf siaß, herzliabs Kind!
Ja Kinderl, du bist halt
im Kripperl so schen,
mi ziemt, i kann nimmer
da weg von dir gehn.
I wünsch dir von Herzen
die süaßte Ruah,
die Engerl vom Himmel,
die deckn di zua.
Hei, hei hei hei,
schlaf siaß, herzliabs Kind!
Schließ zua deine Äugerl
in Ruh und in Fried,
und gib ma zum Abschied
dein Seg'n no grad mit!
Dann wird a mein Schlaferl
so sorgenlos sein,
dann kann i mi ruhig
aufs Niedalegn freun.
Hei, hei hei hei,
schlaf siaß, herzliabs Kind!
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied?
- Für wen eignet es sich weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
"Es wird scho glei dumpa" ist ein herzerwärmendes Wiegenlied für das Christkind, das vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum geliebt wird. Was dieses Weihnachtslied so unverwechselbar macht, ist seine intime, fast vertrauliche Ansprache an das neugeborene Jesuskind in einer klaren, bairisch-österreichischen Mundart. Es ist kein lauter, festlicher Chor, sondern ein leises, zärtliches Solo, das eine ganz besondere Nähe zur Weihnachtskrippe schafft. Dieser Dialekt und die einfühlsame Perspektive verleihen dem Lied eine Authentizität und Gemütlichkeit, die es von vielen hochdeutschen Weihnachtsklassikern abhebt.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text des Liedes stammt von Anton Reidinger, einem Lehrer und Heimatdichter aus dem bayerischen Wald. Er wurde 1859 in Rinchnach geboren und verfasste das Gedicht vermutlich Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts. Die vertraute Melodie, zu der wir das Lied heute singen, ist eine traditionelle, volkstümliche Weise aus der Region. Sie war bereits vor Reidingers Text bekannt und wurde von ihm für seine Verse adaptiert. Entstanden ist dieses Kunstwerk also aus der Verbindung eines einfühlsamen, dialektalen Textes mit einer bereits im Volk verwurzelten, eingängigen Melodie. Es spiegelt die tiefe Frömmigkeit und die Verbundenheit mit der heimatlichen Sprache und Kultur seiner Entstehungszeit wider.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist tröstender Zuspruch und liebevolle Fürsorge. Der Sänger oder die Sängerin spricht das Jesuskind direkt an, das in der kargen Krippe liegt. Es geht nicht um die Anbetung des Königs, sondern um das Trösten eines Babys ("du mogst ja net schlafa"). Der Text mildert die ärmlichen Umstände ("Kumma", "Load", "Stall auf da Hoad") ab, indem er betont, dass die Engel das Lager schöner als jedes Königshaus hergerichtet hätten. Es ist ein Lied, das das Göttliche im Menschlichen sucht und findet: in der Sorge um einen guten Schlaf, im Wunsch nach Ruhe und Frieden und im einfachen Segen, den das Kind dem Betrachter selbst schenken soll. Die wiederkehrende Zeile "schlaf siaß, herzliabs Kind!" fasst diese Haltung perfekt zusammen.
Kulturelle und historische Bedeutung
In der deutschen Weihnachtskultur nimmt "Es wird scho glei dumpa" eine besondere Nische ein. Es ist ein regionaler Schatz, der über Chöre, Volksmusikgruppen und familiäre Überlieferung besonders in Bayern und Österreich gepflegt wird. Seine Bedeutung liegt in der Bewahrung des dialektalen Erbes im kirchlichen und weihnachtlichen Kontext. Internationale Übersetzungen oder Adaptionen sind kaum bekannt, was seinen Charakter als echtes "Heimatlied" unterstreicht. Seine Popularität erstreckt sich weniger auf den globalen Mainstream, sondern wurzelt tief in der lokalen Tradition, wo es als fester Bestandteil von Krippenfeiern, Christmetten und familiären Weihnachtsfeiern geschätzt wird.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
Das Lied erzeugt eine außerordentlich innige, beruhigende und friedvolle Stimmung. Die sanfte, wiegende Melodie in Verbindung mit den vertraulichen Dialektworten wirkt unmittelbar einlullend und besänftigend. Es ist die Stimmung der einsetzenden Abenddämmerung ("es wird scho glei dumpa"), der Stille in einem Raum, in dem ein Kind einschlafen soll. Es transportiert ein Gefühl der Geborgenheit, der zärtlichen Zuwendung und eines tiefen, unaufgeregten Friedens. Diese Atmosphäre steht im schönen Kontrast zur oft hektischen und lauten Vorweihnachtszeit und lädt zu einem Moment der Stille und Andacht ein.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Dieses Lied ist der perfekte musikalische Begleiter für ruhige, besinnliche Momente. Es passt hervorragend zur familiären Weihnachtsfeier am Heiligen Abend, besonders wenn die Krippe im Mittelpunkt steht. In der Kirche findet es seinen Platz bei Krippenandachten, bei der Christmette als besinnliches Einzellied oder in Kinderwortgottesdiensten. Es eignet sich auch wunderbar als Gute-Nacht-Lied in der Adventszeit, um den Tag besinnlich ausklingen zu lassen, oder beim gemütlichen Beisammensein am Adventskranz, wenn die Gespräche leiser werden. Sein natürlicher Rahmen ist jeder Moment, der Intimität und Andacht zulässt.
Für wen eignet sich das Lied?
"Es wird scho glei dumpa" spricht in besonderer Weise mehrere Gruppen an. Menschen mit Bezug zum bairisch-österreichischen Sprachraum fühlen sich von der vertrauten Mundart sofort angesprochen. Es ist ein ideales Lied für Familien mit kleineren Kindern, da die Wiegenlied-Thematik und die einfache Melodie auch für Kinder sehr zugänglich sind. Darüber hinaus eignet es sich für alle, die eine tiefe, unprätentiöse Frömmigkeit schätzen und Weihnachten weniger als Fest des Prunks, sondern als Fest der liebevollen Zuwendung erleben möchten. Chöre, die regionale Lieder pflegen, finden hier ein Juwel ihres Repertoires.
Für wen eignet es sich weniger?
Für Veranstaltungen, die eine festliche, jubelnde oder gar pompöse Atmosphäre anstreben, ist dieses Lied weniger geeignet. Wer mit dem bairischen oder österreichischen Dialekt gar nichts anfangen kann oder ihn sogar als befremdlich empfindet, wird möglicherweise den emotionalen Zugang nicht finden. Auch in großen, anonymen Gemeinschaftsgottesdiensten, in denen lautes, gemeinsames Singen im Vordergrund steht, könnte die intime, solistische Natur des Stückes untergehen. Es ist definitiv kein "Mitsing-Hit" für eine ausgelassene Weihnachtsfeier im Büro oder auf dem Weihnachtsmarkt.
Abschließende Empfehlung
Du solltest dieses Lied wählen, wenn du einen authentischen, herzlichen und stillen Moment der Weihnacht schaffen möchtest. Der perfekte Augenblick ist gekommen, wenn die Geschenke ausgepackt sind, die Kerzen am Baum brennen und eine ruhige Zufriedenheit einkehrt. Stelle dir vor, wie jemand – vielleicht sogar du selbst – sich mit einer Gitarre oder einfach nur der Stimme der Krippe nähert und dieses Lied anstimmt. In diesem Moment verwandelt sich "Es wird scho glei dumpa" von einem einfachen Liedtext in ein lebendiges, tröstendes Gebet. Es ist die musikalische Einladung, innezuhalten und das Wunder von Weihnachten in seiner einfachsten und reinsten Form zu begrüßen: als ein Kind, das unseren Schutz und unsere Liebe braucht.
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