Ich bin der alte Weihnachtsmann
Kategorie: Kinder Weihnachtslieder
Ich bin der alte Weihnachtsmann,
Autor: Paula Dehmel
Ich hab einen bunten Wunderpelz an
Mein Haar ist weiß von Reif und Eis.
Ich komm weit hinter Hamburg her,
Mit langen Stiefeln durchs kalte Meer,
Meinen Mummelsack huckepack.
Da sind viel gute Sachen drin,
Nüss' und Äpfel und große Rosin
Ich bin ein lieber Mann, seht an.
Ich kann aber auch böse sein,
Dann fahr ich mit der Rute drein
Und schüttel den Bart: na wart!
Nein, seid nicht bang seid lieb und gut,
Seid wie das Blümlein Wohlgemut!
Das nimmt beglückt
Alles, was der Himmel schickt.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Biografischer Kontext
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied
- Für welche Anlässe
- Für wen eignet sich das Lied
- Für wen eignet es sich weniger
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
"Ich bin der alte Weihnachtsmann" ist ein faszinierendes und weniger verbreitetes Weihnachtsgedicht, das später vertont wurde. Es zeichnet sich durch seine ungewöhnliche und ambivalente Darstellung des Weihnachtsmannes aus. Dieser ist nicht nur der gütige Gabenbringer, sondern zeigt auch eine drohende, fast schaurige Seite. Diese Mischung aus liebevoller Zuwendung und angedeuteter Strafe macht das Lied zu einem einzigartigen und charakterstarken Stück innerhalb der weihnachtlichen Literatur.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text stammt von der deutschen Dichterin Paula Dehmel und wurde erstmals 1907 in ihrem Kinderlyrikband "Fitzebutze" veröffentlicht. Das Buch war eine Sammlung von fantasievollen und teilweise auch frechen Gedichten für Kinder. Die heute bekannte, volksliedhafte Melodie ist anonym überliefert und hat sich vermutlich im Laufe der Zeit an den Text angeheftet. Es handelt sich also ursprünglich um ein Kunstlied, das in den mündlichen Gebrauch überging. Entstanden ist das Werk in der späten Kaiserzeit, einer Epoche, in der die Figur des Weihnachtsmanns, wie wir sie heute kennen, sich langsam vom Nikolaus und dem Christkind zu lösen begann.
Biografischer Kontext
Paula Dehmel (1862-1918) war eine bedeutende deutsche Schriftstellerin der Jahrhundertwende und eine frühe Vertreterin der modernen Kinderlyrik. Sie war mit dem bekannten Dichter Richard Dehmel verheiratet und stand im Austausch mit wichtigen literarischen Kreisen ihrer Zeit. Ihr Werk "Fitzebutze" war wegweisend, weil es sich von der moralisierenden Kinderliteratur des 19. Jahrhunderts abwandte und stattdessen verspielte, rhythmische und oft nonsensische Texte bot, die die kindliche Perspektive ernst nahmen. "Ich bin der alte Weihnachtsmann" ist ein typisches Beispiel für ihren Stil: direkt, bildhaft und mit einem Schuss derbem Humor.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist ein klassisches "Zuckerbrot und Peitsche"-Motiv. Der Weihnachtsmann präsentiert sich zunächst als wundersamer, freundlicher Mann aus der Ferne mit einem Sack voller Köstlichkeiten. Doch dann folgt die deutliche Warnung: Er kann auch "böse sein" und mit der Rute strafen. Die abschließende Aufforderung lautet, nicht bang zu sein, sondern "lieb und gut" wie eine Blume, die alles, "was der Himmel schickt", dankbar annimmt. Es geht also um Gehorsam und die Verheißung von Belohnung, verbunden mit der klaren Konsequenz bei Fehlverhalten. Dies spiegelt pädagogische Vorstellungen einer vergangenen Zeit wider.
Kulturelle und historische Bedeutung
In der deutschen Weihnachtskultur nimmt das Lied eine Nischenposition ein. Es ist kein Massenklassiker wie "Stille Nacht", sondern ein regional oder familiär überliefertes Lied, das oft in Kindergärten, Grundschulen oder in alten Liederbüchern zu finden ist. Seine Bedeutung liegt im kulturhistorischen Zeugnis: Es zeigt eine ältere, weniger kommerzialisierte und dafür archaischere Version des Weihnachtsmannes, die noch stark an vorchristliche Wintergeister oder den strafenden Nikolaus erinnert. Internationale Übersetzungen oder Adaptionen sind nicht bekannt, was seinen spezifisch deutschen Charakter unterstreicht.
Welche Stimmung erzeugt das Lied
Das Lied erzeugt eine ganz eigene, gespaltene Atmosphäre. Die ersten drei Strophen wirken geheimnisvoll, märchenhaft und verheißungsvoll durch Bilder wie "bunter Wunderpelz", "weit hinter Hamburg her" und den Sack mit Leckereien. Die vierte Strophe bringt einen plötzlichen, fast unheimlichen Stimmungswechsel: Die Drohung mit der Rute und das "na wart!" wirken bedrohlich. Die letzte Strophe mündet dann in eine beschwichtigende, aber auch fordernde Moral. Insgesamt hinterlässt es einen Eindruck zwischen kindlicher Vorfreude und einem leisen Schauder.
Für welche Anlässe
Das Lied eignet sich besonders für Momente, in denen man die Weihnachtszeit nicht nur als besinnlich, sondern auch als etwas mystisch und spannend inszenieren möchte. Perfekt ist es für das gemeinsame Singen mit Kindern in der Vorweihnachtszeit, etwa beim Plätzchenbacken oder beim Basteln. Es passt auch gut zu einer Geschichtenstunde über die verschiedenen Figuren der Adventszeit, wo man den Weihnachtsmann, den Nikolaus und den Knecht Ruprecht vergleichen kann. Auf einem traditionellen Adventssingkreis bringt es Abwechslung und Gesprächsstoff.
Für wen eignet sich das Lied
Primär spricht das Lied Kinder im Kindergarten- und frühen Grundschulalter an (etwa 3 bis 8 Jahre). Die einfache, repetitive Sprache und die klaren, kontrastreichen Bilder fesseln sie. Auch für Erwachsene mit einem Interesse an historischer Volkskunde, Literaturgeschichte oder ungewöhnlichen Weihnachtstraditionen ist es ein spannendes Fundstück. Familien, die nach weniger mainstream-lastigen Weihnachtsliedern suchen, werden hier fündig.
Für wen eignet es sich weniger
Für sehr junge oder sensible Kinder, die leicht Ängste entwickeln, könnte die Drohung mit der Rute und der "böse" Weihnachtsmann beunruhigend wirken. In einem rein besinnlich-meditativen Adventsgottesdienst oder einer ruhigen Feier am Heiligabend wirkt das Lied mit seiner derben Note vielleicht fehl am Platz. Wer ausschließlich nach harmonischen und durchweg freudigen Weihnachtsklassikern sucht, wird von der ambivalenten Botschaft möglicherweise überrascht sein.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn du eine traditionelle, aber nicht glattgebügelte Weihnachtsatmosphäre schaffen möchtest. Der perfekte Moment ist ein gemütlicher, aber lebhafter Nachmittag in der Vorweihnachtszeit, an dem du mit Kindern über die "Regeln" der Weihnacht ins Gespräch kommen willst. Singe es nicht nur, sondern erkläre die Bilder: Wo liegt Hamburg? Wie sieht ein "Mummelsack" aus? Warum gab es früher vielleicht eine Rute? So wird aus dem Singen ein kleines kulturelles Erlebnis, das weit über das bloße Wiederholen eines Textes hinausgeht und deine Seite zur unverzichtbaren Quelle für Verständnis und Kontext macht.
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