Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen
Kategorie: Schöne Weihnachtslieder
Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
Autor: Hermann Kletke
wie glänzt er festlich, lieb und mild,
als spräch' er: "Wollt in mir erkennen
getreuer Hoffnung stilles Bild!"
Die Kinder stehn mit hellen Blicken,
das Auge lacht, es lacht das Herz,
o fröhlich seliges Entzücken!
Die Alten schauen himmelwärts.
Zwei Engel sind hereingetreten,
kein Auge hat sie kommen seh'n,
sie gehn zum Weihnachtstisch und beten,
und wenden wieder sich und geh'n.
"Gesegnet seid, ihr alten Leute,
gesegnet sei, du kleine Schar!
Wir bringen Gottes Segen heute
dem braunen wie dem weißen Haar.
Zu guten Menschen, die sich lieben,
schickt uns der Herr als Boten aus,
und seid ihr treu und fromm geblieben,
wir treten wieder in dies Haus."
Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen,
unsichtbar jedes Menschen Blick
sind sie gegangen wie gekommen,
doch Gottes Segen blieb zurück.
- Kurze einleitende Zusammenfassung
- Historie & Entstehungsgeschichte
- Biografischer Kontext
- Inhaltliche Deutung & Botschaft
- Kulturelle und historische Bedeutung
- Welche Stimmung erzeugt das Lied?
- Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Lied?
- Für wen eignet sich das Lied weniger?
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung
"Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen" zählt zu den poetischsten und tiefgründigsten Weihnachtsliedern im deutschen Sprachraum. Was es so unverwechselbar macht, ist seine besondere Erzählperspektive: Es beschreibt nicht nur die äußere Festfreude, sondern führt uns in eine stille, fast magische Weihnachtswelt ein, in der unsichtbare Engel den Segen bringen. Es ist ein Lied, das die festliche Atmosphäre mit einer sanften, nachdenklichen Spiritualität verbindet.
Historie & Entstehungsgeschichte
Der Text des Liedes stammt von dem deutschen Schriftsteller und Journalisten Hermann Kletke. Er wurde erstmals im Jahr 1841 in der Sammlung "Almanach deutscher Volks- und Kindermärchen" veröffentlicht. Die heute geläufige, einfühlsame Melodie komponierte der schlesische Kantor und Musiklehrer Friedrich Wilhelm Stade im Jahr 1870. Stade vertonte Kletkes Gedicht fast drei Jahrzehnte nach dessen Entstehung, wodurch Text und Musik eine ideale Verbindung eingingen. Entstanden ist das Werk also in der Blütezeit des deutschen Weihnachtsliedgutes im 19. Jahrhundert, einer Epoche, die viele unserer heutigen Klassiker hervorbrachte.
Biografischer Kontext
Hermann Kletke (1813-1886) war eine vielseitige literarische Persönlichkeit. Er arbeitete als Redakteur, gab Märchensammlungen heraus und schrieb selbst Gedichte und Erzählungen, oft mit einem volkstümlichen und pädagogischen Anspruch. Seine Verbindung zur Welt der Kinder- und Hausmärchen erklärt den märchenhaften, bildhaften Ton seines Weihnachtsgedichts. Der Komponist Friedrich Wilhelm Stade (1817-1902) war vor allem in Halle an der Saale als Musikdirektor tätig. Obwohl er zahlreiche Chorwerke und Lieder schuf, ist sein Name für die Nachwelt vor allem mit dieser einen, perfekt gelungenen Weihnachtsmelodie verbunden.
Inhaltliche Deutung & Botschaft
Die Kernbotschaft des Liedes ist die Verheißung des göttlichen Segens für die ganze Familie, unabhängig vom Alter. Der glänzende Weihnachtsbaum steht symbolisch für "getreuer Hoffnung stilles Bild". Während die Kinder in unbändiger Freude aufgehen, schauen die Alten bereits "himmelwärts". Die unsichtbaren Engel sind die Boten, die diesen Segen konkret in den häuslichen Kreis tragen. Die Botschaft lautet: Wo Menschen in Treue und Frömmigkeit zusammenleben, dort ist Gott gegenwärtig und sein Segen bleibt sichtbar zurück, auch wenn die himmlischen Boten unsichtbar bleiben. Es ist ein Lied über das Wunder im Alltäglichen.
Kulturelle und historische Bedeutung
Das Lied hat einen festen Platz im deutschen Weihnachtsbrauchtum, insbesondere im familiären und kirchlichen Umfeld. Es wird oft als eher besinnliches Gegenstück zu lauten Festliedern gesungen. Internationale Verbreitung oder direkte Übersetzungen sind weniger bekannt, was seinen Charakter als einen spezifisch deutschsprachigen Schatz unterstreicht. Seine Popularität verdankt es der eingängigen, aber nicht trivialen Melodie und der universellen Szenerie, die in vielen Haushalten so oder ähnlich erlebt wird.
Welche Stimmung erzeugt das Lied?
"Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen" erzeugt eine einzigartige Mischung aus festlicher Geborgenheit, kindlicher Staune und stiller, fast ehrfürchtiger Andacht. Die Stimmung ist warm und intim, aber nie ausschweifend fröhlich. Sie lädt vielmehr zum Innehalten ein, zum Betrachten des geschmückten Baumes und zum Nachspüren der unsichtbaren, geistigen Dimension des Festes. Es ist eine gefühlvolle und nachdenkliche Stimmung, die von der Musik sanft getragen wird.
Für welche Anlässe eignet sich das Lied?
Dieses Lied eignet sich perfekt für den Moment unmittelbar nach dem Anzünden der Christbaumkerzen, wenn die Familie im Kerzenschein versammelt ist. Es passt hervorragend in häusliche Weihnachtsfeiern, in die Christvesper oder in Adventssingen, die Wert auf Besinnlichkeit legen. Es ist auch ein schönes Lied für den Heiligen Abend, bevor die Geschenke verteilt werden, um einen Moment der Sammlung und Dankbarkeit zu schaffen.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Lied?
Das Lied spricht generationenübergreifend an. Kinder fühlen sich von der Schilderung der "Kinder mit hellen Blicken" direkt angesprochen und können die märchenhafte Engelsszene gut erfassen. Jugendliche und Erwachsene schätzen die poetische Sprache und die tiefere Bedeutung. Besonders für ältere Menschen, die in der dritten Strophe ("dem braunen wie dem weißen Haar") explizit erwähnt werden, hat das Lied einen tröstlichen und wertschätzenden Charakter. Es ist ein Lied für die ganze Familie.
Für wen eignet sich das Lied weniger?
Wer eine ausschließlich ausgelassene, rhythmische und laute Weihnachtsfeier plant, für den ist dieses Lied möglicherweise zu ruhig und kontemplativ. Es eignet sich weniger als reines "Gassenhauer"-Lied für große, unruhige Feiern, bei denen der Text untergehen könnte. Auch für sehr kleine Kinder, die noch keine längeren Strophen verfolgen können, könnte die Aufmerksamkeitsspanne nicht ausreichen, obwohl die Melodie selbst beruhigend wirkt.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Lied genau dann, wenn du den Zauber des Heiligen Abends einfangen möchtest, wenn das künstliche Licht ausgeschaltet ist und nur der Weihnachtsbaum den Raum erhellt. Der perfekte Moment ist diese stille, atemlose Minute, in der alle den Glanz des Baumes betrachten, bevor die Hektik des Bescherungsrituals beginnt. Singe es leise und gefühlvoll, um die intime Botschaft voll zur Geltung zu bringen. Es ist das Lied für den Kernmoment weihnachtlicher Magie, der uns jedes Jahr aufs Neue an die unsichtbaren Wunder glauben lässt.
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